Wirtschafts- und Finanzlexikon

ABCDEFGHIJKLMNOPQRSTUVWXY – Z

 

A

Anleihe:
Eine Anleihe ist eine Verbindlichkeit bzw. ein Schuldtitel, der von privaten oder staatlichen Unternehmen oder einem Staat oder einer Gebietseinheit herausgegeben wird. Es handelt sich damit um eine Schuld gegenüber dem Investor.

Asset Manager: 
Der Vermögensverwalter oder engl. Asset Manager hat es zur Aufgabe, die bestmögliche Wertentwicklung der von ihm verwalteten Aktiva zu erzielen, indem er Investmententscheidungen trifft oder Positionen an den verschiedenen Märkten eröffnet, an denen er handeln darf.

Er muss zudem die Entwicklung der von ihm betreuten Gesellschaft überwachen und Dritte (z. B. den Vorstand, Anteilseigner) mit allen entsprechenden Informationen versorgen.

 

B

Backtesting:
Das Backtesting bzw. der Rückvergleich ist eine Methode, um die Aussagekraft eines Modells oder einer Strategie zu prüfen, indem dieses auf reale historische Daten angewendet wird, um anschließend zukünftige Entwicklungen mit einer gewissen Sicherheit vorhersagen zu können.

Backwardation:
Situation bei Warentermingeschäften, die entsteht, wenn der Terminkurs unter den Spotpreis sinkt.

Bankrun:
Bankansturm, Schaltersturm oder Bankenpanik. Ereignis, bei dem eine große Zahl an Bankkunden fürchtet, dass die Bank insolvent werden könnte, und ihre Einlagen gleichzeitig abhebt.

Bear Squeeze:
Situation, bei der die Inhaber von Verkaufspositionen durch einen plötzlichen Preisanstieg gezwungen werden, ihre Positionen zu jedem Preis einzudecken bzw. abzustoßen, um noch höhere Verluste zu vermeiden.

BIP:
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist der Gesamtwert aller Güter, Waren und Dienstleistungen, die innerhalb eines Jahres innerhalb der Landesgrenzen einer Volkswirtschaft hergestellt bzw. erbracht wurden. Das BIP ist somit die wichtigste wirtschaftliche Kennziffer eines Landes.

Bullionbank:
Bank, die sich auf den Edelmetallhandel spezialisiert hat.

Bullish:
Ausdruck aus dem englischen Sprachraum, der eine aufwärts gerichtete Preistendenz oder einen Haussemarkt beschreibt.

C

Carry Trade: 
Spekulationsgeschäft auf Grundlage der Zinsdifferenz zwischen zwei Währungen. Der Anleger nimmt einen Kredit in einer niedrig verzinsten Währung auf, tauscht die Mittel um und legt sie in einer anderen Währung mit einem höheren Zinssatz an, in der Hoffnung, dass die Gewinne aus der Zinsdifferenz nicht von einem Wertverlust der zweiten Währung gegenüber der ersten vernichtet werden.

Commercials Traders: 
Von der Commodity Futures Trading Commission (CFTC) genutzte Klassifizierung, um die Trader zu beschreiben, die den Terminmarkt hauptsächlich zur Absicherung ihrer Geschäftsaktivitäten nutzen. Neben den Bullionbanken zählen am Gold- und Silbermarkt insbesondere die Minenunternehmen in diese Kategorie.

Contango
Situation am Warenterminmarkt, bei der der Terminkurs (Preis für Lieferung in der Zukunft) eines Assets über dem Spotpreis liegt. Bei Contango ist ein ausreichendes Angebot vorhanden. Der Spotpreis liegt daher logischerweise unter dem Terminpreis, welcher die Lagerkosten bis zum Fälligkeitsdatum in der Zukunft berücksichtigt.

COT-Bericht
Der Commitment of Traders Report (COT) ist ein Bericht, der die Netto-Long- und Netto-Shortpositionen offenlegt, die die Trader (Spekulanten und Commercials) am Markt einnehmen. Der COT-Bericht wird als Indikator für die Marktstimmung angesehen.

Crash: 
Ein Crash oder Börsenkrach ist ein heftiger Preissturz einer bestimmten Anlageklasse oder anders gesagt, ein rapider Wertverfall.

D

Derivat:
Ein derivatives Finanzinstrument oder Derivat ist ein Finanzprodukt :

- dessen Preis von der Preis- oder Zinsentwicklung eines anderen Produkts, des sogenannten Basiswerts, abhängt ;

- das keine oder nur eine sehr geringe anfängliche Nettoinvestition erfordert ;

- dessen Fälligkeitsdatum in der Zukunft liegt.

Es handelt sich um einen Vertrag zwischen zwei Parteien, einem Käufer und einem Verkäufer, welcher zukünftige Kapitalflüsse auf Grundlage eines realen oder theoretischen finanziellen Basiswerts regelt. Bei Derivaten handelt es sich um Absicherungsinstrumente, mit denen Investoren sich insbesondere vor Marktrisiken, Liquiditätsrisiken und Drittparteirisiken schützen können.

"Dot plot":
Von der US-Notenbank Fed veröffentlichtes Punktdiagramm, welches die Vorhersagen bezüglich des künftigen Zinsniveaus aller Mitglieder des Offenmarkausschusses (Federal Open Market Committee, FOMC, Ausschuss zur Geld- und Währungspolitik) vereint.

Dovish:
Eine als „dovish“ bezeichnete Geldpolitik wird vor allem in Zeiten einer Rezession oder eines wirtschaftlichen Abschwungs betrieben. Sie schlägt sich in akkommodierenden geldpolitischen Maßnahmen wie Zinssenkungen oder unkonventionellen Mitteln wie den „quantitativen Lockerungen“ nieder, mit denen das Wachstum angekurbelt werden soll. Das Gegenteil dessen ist eine restriktive Geldpolitik, die als „hawkish“ bezeichnet wird.

E

Einlagensicherung:
Die Einlagensicherung wird durch verschiedene Fonds gedeckt und ermöglicht die Entschädigung der Bankkunden im Fall einer Pleite ihres Kreditinstituts.

F

Fed:
Die Abkürzung Fed steht für Federal Reserve, die Zentralbank der Vereinigten Staaten.

Fibonacci-Retracements:
Die sogenannten Fibonacci-Retracements ermöglichen die Bestimmung von Unterstützungs- und Widerstandslinien in einem Preischart. Zunächst werden Hoch und Tief einer Kursbewegung des jeweiligen Vermögenswertes präzise ermittelt, anschließend werden davon ausgehend die Retracemens kalkuliert. Diese Analysemethode trägt den Namen des italienischen Mathematikers Fibonacci (1175 – 1250).

G

H

Hawkish: Beschreibt eine Wirtschaftslage, in der die Zinssätze steigen. Die Zentralbanken wenden üblicherweise eine restriktive, als hawkish bezeichnete Geldpolitik an, um gegen Inflation vorzugehen. In einem solchen Kontext ist das Wirtschaftswachstum nicht mehr die Hauptsorge der Notenbanken. Zinserhöhungen sind das zentrale Instrument einer solchen Geldpolitik. Das Gegenteil von „hawkish“ ist „dovish“.

Hebel:
Die Anwendung eines Hebels (Leverage) ist eine Strategie, die es einem Anleger ermöglicht, mehr Geld zu investieren, als er besitzt. Meist wird dabei ein Kredit aufgenommen.

Hebelwirkung:
Die Hebelwirkung, auch als Leverage bekannt, ermöglicht es mittels eines Kredits, Aktiva mit einem Minimum an Eigenkapital zu erwerben (Kapitalbildung dank Verschuldung). Dadurch erhöht sich sowohl die Rentabilität als auch das Risiko. Wenn Sie einen gehebelten Kauf durchführen, steigern Sie also Ihre möglichen Gewinne – aber auch die Verlustrisiken. Je geringer der Anteil des hinterlegten Kapitals, desto größer ist der Hebel. Wenn dieser beispielsweise 5 beträgt, realisieren Sie einen Gewinn von 50% auf Ihr real eingesetztes Kapital, wenn der Basiswert nur 10% im Kurs steigt. In die andere Richtung kann jedoch das Gleiche geschehen.

Hyperinflation:
Bei der Hyperinflation oder galoppierenden Inflation handelt es sich um eine äußerst hohe Inflation, die sich jeder Kontrolle entzieht. Sie zieht im Normalfall eine starke Rezession nach sich. Sobald die Inflationsraten den Wert von 100% pro Jahr überschreiten, spricht man im Allgemeinen von Hyperinflation.

 

I

J

K

Kredit:
Bei einem Kredit oder Darlehen handelt es sich um einen Geldbetrag, der einem Unternehmen, einem Haushalt oder einem Staat von einem oder mehreren Gläubigern zur Verfügung gestellt wird.

Kurs:
Der Kurs entspricht an den Finanzmärkten der jeweils aktuellen Bewertung eines Finanzprodukts oder -instruments.

L

Leerverkauf:
Engl. short selling. Eine spekulative Operation, bei der Basiswerte verkauft werden, die zum Zeitpunkt des Verkaufs nicht Eigentum des Verkäufers sind.

M

Mark-to-market: 
Methode zur Neubewertung von Finanzkontrakten basierend auf dem Marktpreis, bei der der aktuelle Kurs regelmäßig mit dem Kurs bei Abschluss des Geschäfts verglichen wird.

Momentum traders: 
Trader, die auf mittelfristige Kurstendenzen spekulieren.

N

Numismatiker: 
Sammler von antiken oder zeitgenössischen Münzen und Medaillen oder Experte auf dem Gebiet der Münzforschung.

O

P

Pullback:
Situation, in der ein Kurs eine zuvor durchbrochene Unterstützungslinie (oder Widerstandlinie in einer Hausse) erneut testet. Dies geschieht typischerweise bei wichtigen Wendepunkten und bestätigt einen Ausbruch des Preises aus dem bisherigen Trendkanal.

Q

Quantitative Lockerung:
Dieser auch als quantitative easing (QE) bekannte Ausdruck beschreibt eine Maßnahme, mit der die US-Notenbank in den amerikanischen Interbankenmarkt eingreift, um die Entwicklung der kurzfristigen Zinsen zu beeinflussen.

Im Rahmen von QE kauf die Zentralbank auf dem Interbankenmarkt massiv Anleihen auf (im Fall der Fed insbesondere US-Staatsanleihen), um die kurzfristigen Zinsen auf einem extrem niedrigen Niveau zu halten.

Ziel ist es dabei, den Verbrauch anzukurbeln und das Wirtschaftswachstum zu unterstützen. 

R

Rally:
Man spricht von einer Rally, wenn der Kurs eines Anlagewertes eine deutliche, typischerweise langanhaltende Aufwärtsbewegung ausführt.

Reflation Trade:
Beim sogenannten Reflation Trade setzen die Finanzmarktteilnehmer auf massive Geldspritzen zum künstlichen Ankurbeln einer Wirtschaft, welche wiederum die Inflationsraten und das Zinsniveau steigen lassen, und richten ihre Anlagestrategie danach aus. Es handelt sich dabei um eine für den Staat sehr teure Form der Wirtschaftspolitik.

Risikofreudigkeit:
Die Risikofreudigkeit der Anleger steigt („risk on”) und sinkt („risk off”) im Laufe der Zeit, und manchmal sind sie eher geneigt, in riskante Assets zu investieren. Die Zeit nach der Finanzkrise von 2008 wurde beispielsweise als Jahr gewertet, in dem die Investoren eher risikoscheu waren und versuchten, die Risiken durch den Abbau spekulativer Positionen und die Umschichtung von Kapital in „sichere Häfen“ zu reduzieren.

Tail-Risiko:
Beim sogenannten Tail Risk oder Risiko extremer Verluste handelt es sich um ein Portfoliorisiko, das sich aus der Wahrscheinlichkeit ergibt, dass sich ein Investment um mehr als drei Standardabweichungen vom Mittel entfernt. Es wird davon ausgegangen, dass diese Wahrscheinlichkeit höher ist als in einer Normalverteilung. Diese enormen Risiken umfassen Ereignisse, die nur mit geringer Wahrscheinlichkeit stattfinden und damit an den äußersten Enden einer normalverteilten Kurve anzusiedeln sind.

RSI:
Der Relative-Stärke-Index (Relative Strength Index, RSI) ist ein 1978 von Welles Wilder entwickelter Indikator der technischen Analyse. Er misst die Stärke eines zugrundeliegenden Wertes im Vergleich zu dessen Schwäche, indem die Entwicklung des Wertes während einer Hausse mit der Entwicklung während einer Baisse verglichen wird. Der RSI zeigt also die Stärke einer Kursbewegung an und ist ein Indikator dafür, über der zugrundeliegende Wert „überkauft“ oder „überverkauft“ ist. 

S

Short:
„Short sein“ oder Short-Positionen zu halten bedeutet, auf den Kursrückgang eines Assets zu wetten, indem man dieses verkauft, ohne es tatsächlich zu besitzen. Der Anleger oder Trader hofft in diesem Fall, dass er es zu einem späteren Zeitpunkt zu einem niedrigeren Preis zurückkaufen und so einen Gewinn erzielen kann.

Short-Squeeze:
Ein Short-Squeeze ist eine meist unvorhergesehene Marktsituation, in der die Trader, die zuvor ungedeckte Short-Positionen eingenommen haben, gezwungen sind, diese so schnell wie möglich einzudecken, um weitere Verluste zu vermeiden. Das bedeutet, dass sie die zuvor leerverkauften Assets zurückkaufen müssen und dadurch einen (zusätzlichen) Kursanstieg auslösen.

Spekulationsblase:
Hausse eines Wertpapiers oder eines Marktes, die nicht durch die zugrundeliegenden ökonomischen Fundamentaldaten gerechtfertigt ist. Wenn die Blase platzt (wie z. B. die Dotcom-Blase 2000), kommt es zum Börsencrash.

Spoofing:
Beim Spoofing handelt es sich um eine Form der Marktmanipulation, bei der Kauf- oder Verkaufsorders mit der Absicht platziert werden, sie kurz vor der Ausführung wieder zu stornieren. Dadurch soll eine gewünschte Preisbewegung erzielt werden. Diese Praxis ist seit dem Dood-Frank Act von 2009 illegal.

Spread:
Der Spread ist eine positive oder negative Differenz gegenüber einem Referenzpreis. Im Finanzwesen kann es sich auch um die Geld-Brief-Spanne eines Finanzinstruments oder um die Differenz zwischen den langfristigen und den kurzfristigen Zinssätzen handeln. Der Ausdruck kann sich zudem auf Credit Spreads beziehen, d. h. auf die Risikoprämie bzw. auf die Renditedifferenz zwischen vergleichbaren Unternehmens- und Staatsanleihen.

Sucker Rallye:
Starker Kursanstieg während eines Baissemarktes. Die Gewinne sind nur vorübergehender Natur, bevor der Markt zu seinem Abwärtstrend zurückkehrt. Ein solcher „falscher Frühling“ gründet im Allgemeinen eher auf Hoffnung und Optimismus als auf überzeugenden Fundamentaldaten.

T

Tapering:
Le tapering bezeichnet die allmähliche Reduzierung der monetären Lockerungen (Quantitative Easing) durch die US-amerikanische Zentralbank Fed.

TIPS:
Inflationsgeschütze Wertpapiere, die vom US-Finanzministerium ausgegeben werden (Treasury Inflation-Protected Securities). TIPS sind Anleiheinstrumente, deren Zinszahlungen an den Verbraucherpreisindex gekoppelt sind, und/oder deren Nominal zum Fälligkeitstermin angepasst wird, um die zwischenzeitliche Erhöhung des Verbraucherpreisindexes zu berücksichtigen.

Trader:
Ein auf Spekulationen spezialisierter Marktteilnehmer. Typischerweise kauft er Währungen, Anleihen, Aktien und Optionen, bei denen er eine Hausse erwartet, zu geringen Preisen und verkauft sie später, wenn er davon ausgeht, dass die Kurse wieder sinken werden.

Trading:
Kauf und Verkauf von Aktien und anderen Finanzinstrumenten an den Märkten. Die Transaktionen werden dabei in relativ kurzer Zeit ausgeführt.

U

V

Verstaatlichung:
Bei einer Verstaatlichung kauft ein Staat die Aktiva und/oder Produktionsmittel privater Gesellschaften und Unternehmen mit dem Zweck, diese an die öffentliche Hand zu übergeben.

W

X

Y

Z

Zins:
Der Zins ist der Preis, den der Schuldner dem Gläubiger für verübergehend zur Verfügung gestelltes Kapital zahlt.