Im Jahr 2025 verzeichnete Gold seine stärkste Performance seit 1979. Diese Dynamik zeugt von einem strukturellen Wendepunkt am Goldmarkt: Das gelbe Metall übertrifft seine übliche historische Preisentwicklung deutlich und erreicht nun eine neue Dimension.
Während die Performance im Jahr 2025 vom Interesse der Investoren, sinkenden Zinsen und einem allgemeinen Aufschwung an den Finanzmärkten gestützt wurde, wirft das Jahr 2026 neue Fragen auf. Der Zinsrückgang könnte sich fortsetzen, jedoch in geringerem Umfang. Darüber hinaus bleibt die Investitionsnachfrage von der Marktstimmung abhängig, während Zentralbanken und Juweliere ihre Käufe zurückhalten.
Wie ist diese neue Ära für Gold zu bewerten? Und wird sich die aktuelle Dynamik auch 2026 mit gleicher Intensität fortsetzen?
2025: ein außergewöhnliches Jahr!
2025 hat alle Erwartungen übertroffen. Zum dritten Mal in Folge legte der Goldpreis um mehr als 10 % zu. Im Jahr 2025 verzeichnete Gold in US-Dollar eine Performance von +65 %. Dies ist der stärkste Anstieg seit 1979.
Diese Entwicklung verdeutlicht den wirklich außergewöhnlichen Charakter der aktuellen Dynamik. Im Gegensatz zur Hausse von 2000 bis 2011 scheint der Goldpreis nun von schnelleren und intensiveren Kursbewegungen getragen zu werden, ähnlich wie in den 1970er Jahren.

Quelle: Macrotrends
Im Gegensatz zu den Vorjahren wurde die Performance von Gold in diesem Jahr durch die Investitionsnachfrage, den Anstieg der Aktienindizes und die Entspannung bei den Zinsen getragen. Die Analyse der uns vorliegenden Daten zeigt, dass die im Jahr 2025 beobachteten Kursgewinne weitgehend auf einen Momentum-Effekt zurückzuführen sind, d. h. auf eine starke Aufwärtsdynamik. Dies schließt jedoch zum jetzigen Zeitpunkt eine Fortsetzung dieses Trends nicht aus, der nach wie vor kräftig ist und implizit durch langfristige Fundamentaldaten gestützt wird.
Investitionsnachfrage auf Höchststand
In den ersten drei Quartalen des Jahres 2025 erhöhte sich die durchschnittliche Investitionsnachfrage gegenüber dem Jahr 2024 um +76 %. Das Ausmaß dieser massiven Rückkehr der Goldinvestoren ist vergleichbar mit der Entwicklung der Jahre 2020 und 2022.
Insbesondere die Nachfrage nach Gold-ETFs hat sich erholt und die Abflüsse haben sich in deutliche Zuflüsse verwandelt. So lag die durchschnittliche vierteljährliche Nachfrage nach ETFs in den ersten drei Quartalen bei 206 Tonnen, ein seit 2020 nicht mehr erreichtes Niveau.

Quelle: World Gold Council
Doch reichen diese Investments aus, um den Anstieg des Goldpreises zu erklären?
Im Vergleich zum Vorjahr blieb die Gesamtnachfrage in den ersten drei Quartalen nahezu stabil. Insbesondere die durchschnittliche Nachfrage nach Goldschmuck ging um mehr als 20 % zurück. Die Zentralbanken setzen ihre Käufe zwar in großem Umfang fort, doch auch hier verringerte sich die durchschnittliche Nachfrage um 22 % gegenüber 2024. Dieses Phänomen ist typisch für Phasen steigender Goldpreise, da der Schmucksektor eine negative Elastizität aufweist.
Umgekehrt besteht ein positiver Zusammenhang zwischen der Goldnachfrage zu Anlagezwecken und dem Preis des Edelmetalls. Unter sonst gleichen Umständen bleibt die Sensitivität des Goldpreises gegenüber der Investitionsnachfrage jedoch sehr gering (zumindest auf Quartalsbasis), wenngleich sie durchaus vorhanden ist. Nur ein plötzlicher Anstieg der Nachfrage, und insbesondere der Nachfrage nach Gold- ETFs, kann mit starken Kursgewinnen und möglicherweise einem Hoch des Goldpreises einhergehen.
Auch wenn dieser Kontext an die 1970er Jahre erinnert, ist das Umfeld doch völlig anders. Im Gegensatz zu den 1970er Jahren ist das erste Viertel dieses Jahrhunderts durch eine massive institutionelle Rückkehr zum Gold gekennzeichnet. Die Instabilität des Dollars und der Anleihen unterstreicht unbestreitbar die Notwendigkeit, auf Gold zurückzugreifen, um die Stabilität der Weltfinanzordnung zu gewährleisten.

Quelle: World Gold Council
Goldhausse: Rückkehr zu den 1970er Jahren?
Im Vergleich zu den Zyklen der letzten vierzig Jahre verzeichnet der Goldpreis derzeit eine deutliche Abweichung. Diese Outperformance von Gold gegenüber seinem normalen zyklischen Verhalten ist jedoch nicht ganz ungewöhnlich. Wie die nachstehende Grafik zeigt, folgt Gold in der Regel Zyklen von etwa 15 bis 16 Jahren. Die letzten Jahre dieses langen Zyklus, die hier am Anfang der Grafik dargestellt sind, sind durch einen steilen Anstieg der Preiskurve gekennzeichnet. Dies erklärt die starken Schwankungen in der Entwicklung des Goldpreises von einem Zyklus zum nächsten.
So war die Hausse der 1970er Jahren die stärkste, gefolgt vom Aufwärtstrend im Jahr 2010 mit einem weniger ausgeprägten Zyklushoch und schließlich dem falschen Hoch Mitte der 1990er Jahre. Diesen langfristigen Zyklus, der sich seit dem Ende der Goldpreisbindung herausgebildet hat, haben wir bereits in mehreren Untersuchungen betrachtet. Idealerweise setzt er sich aus einer 12-jährigen Hausse und 4-jährigen Konsolidierung zusammen. Wenn man bedenkt, dass das letzte wichtige Tief des Goldpreises im Jahr 2015 verzeichnet wurde, würde dies tatsächlich der aktuellen Aufwärtsbewegung entsprechen.

Wenn man davon ausgeht, dass die Intensität des Aufwärtstrends mit der Dauer der Hausse korreliert, ist es nicht vermessen, eine Fortsetzung dieser Entwicklung zu erwarten. Dies könnte die Hypothese eines nachhaltigeren Preisanstiegs stützen.
Darüber hinaus legt eine ökonometrische Betrachtung nahe, dass der Goldpreis einem nicht zufälligen Verhalten folgt, das zumindest durch ein starkes Momentum gekennzeichnet ist. Das heißt, dass auf ein Quartal mit einer positiven Performance in der Regel ein weiteres Quartal mit einer positiven Performance folgt. Unter der Annahme, dass das untenstehende Momentum-Modell gültig ist, könnte der erwartbare Kursgewinn für 2026 +20 % bis +25 % erreichen. Dennoch sind weitere Faktoren zu berücksichtigen.

Ein Zinsrückgang, der die Kurse in die Höhe treibt
Die Goldhausse im Jahr 2025 wurde also weitgehend durch das Momentum angetrieben, d. h. durch eine Verstärkung des seit 2023 zu beobachtenden Aufwärtstrends. Dennoch darf man nicht vergessen, dass die Zinsen eine beschleunigende Rolle gespielt haben. Mit der Senkung des US-Leitzinses um 50 Basispunkte profitierte der Goldpreis von einem günstigen geldpolitischen Umfeld.
Ein weiterer Rückgang des Zinsniveaus in den Vereinigten Staaten könnte den Goldpreis zusätzlich stützen. Die ökonometrische Analyse zeigt jedoch eine starke Variabilität dieser Dynamik: Demnach kann der Goldpreis bei einer Zinssenkung um 25 Basispunkte zwischen 3 % und fast 15 % steigen. Es scheint jedoch unzweifelhaft, dass die Zinssenkungen im Laufe des Jahres eine strategische Rolle bei der Kursentwicklung von Gold gespielt haben.

Quelle: World Gold Council
Der allgemeine Finanzoptimismus wurde durch den Anstieg der Aktienindizes bestätigt. Der S&P 500 verzeichnete eine Performance von fast +17 % und legte damit ebenfalls das dritte Jahr in Folge zu. In den letzten zehn Jahren zeigt sich deutlich, dass der Goldpreis eine gewisse Parallele zur Entwicklung an den Börsen aufweist. Dieses Phänomen tritt insbesondere in Zeiten des Wirtschaftswachstums auf, wie es aktuell der Fall ist.
Gold profitiert daher von einer reichlichen Liquidität an Finanzmärkten, was die Nachfrage nach Anlagewerten stimuliert und damit letztlich auch langanhaltende Aufwärtstrends am Goldmarkt begünstigt.
Stagnierende Goldproduktion
Während sich die durchschnittlichen Goldverkäufe um +1,6 % gegenüber 2024 erhöht haben, verringerte sich die Goldförderung im Durchschnitt leicht um -0,62 %. Dennoch macht die Minenproduktion noch immer fast 74 % des gesamten Goldangebots aus.
Wir sehen hier zwei Mechanismen, die das Angebot „neutralisieren“ und kurz- und mittelfristige Momentum-Bewegungen ermöglichen:
- Das Angebot an recyceltem Gold, das positiv mit dem Goldpreis korreliert, aber im Verhältnis zum Gesamtangebot nur eine marginale Rolle spielt.
- Das mengenmäßig überwiegende Angebot aus dem Bergbau, das jedoch kurz- und mittelfristig nur geringfügig auf den Goldpreis reagiert.
Darüber hinaus beobachten wir, dass die Produktionskosten im ersten Quartal 2025 gegenüber 2024 um etwa 10 % gestiegen sind. Diese Erhöhung bringt die Produktionskosten für eine Unze Gold nun in den Bereich von 1.600 $. Dabei ist jedoch zu betonen, dass die spektakuläre Hausse des Goldpreises in diesem Jahr das Plus bei den Produktionskosten bei weitem übersteigt.

Quelle: World Gold Council
Daher ist das derzeitige Umfeld mit einem kletternden Goldpreis in Verbindung mit einem geringeren Anstieg der Produktionskosten für Bergbauunternehmen besonders günstig. Auf Grundlage der uns vorliegenden Daten können wir davon ausgehen, dass sich die Gewinnmargen der Minengesellschaften in einigen Fällen um +50 % bis +100 % erhöhen werden, auch wenn die Situation von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich sein kann.
Darüber hinaus könnte dieses Phänomen eine Entkopplung zwischen dem „fundamentalen Preis” von Gold und seinem finanziellen Wert widerspiegeln. Auch wenn diese Bewertung noch moderat ist, könnte sie heute dennoch um 20 % bis 30 % über dem historischen Durchschnitt liegen. Dies könnte durch eine Anpassung des Angebots innerhalb einiger Jahre zu neuen Rekordmengen bei der Goldproduktion führen.
Kann der Goldpreis wirklich noch weiter steigen?
Wir haben gezeigt, dass der Goldkurs im Jahr 2025 durch mehrere Faktoren unterstützt wurde:
- Steigende Investitionsnachfrage trotz rückläufiger Nachfrage seitens der Schmuckindustrie und der Zentralbanken.
- Sinkende Zinsen, die das Interesse der Anleger am Kauf von Gold verstärken.
- Positive Entwicklung der Aktienmärkte, die durch einen „Liquiditätseffekt” ebenfalls die Nachfrage nach Edelmetallen ankurbeln.
Umgekehrt können mehrere Faktoren den aktuellen Trend gefährden. Eine Stabilisierung des Zinsniveaus in Verbindung mit einem Rückgang der Investitionsnachfrage könnte sich negativ auf den Goldpreis auswirken. Wenn sich zudem die Nachfrage nach Goldschmuck und die Nachfrage seitens der Zentralbanken nicht erholen, könnte das die Volatilität des Goldes in den kommenden Monaten ebenfalls verstärken.
Unterteilt man die Entwicklung des Goldpreises in relativ kurze Vierjahreszyklen oder Präsidentschaftszyklen, zeigt sich, dass Gold heute im Vergleich zu den 2000er Jahren eine deutlich bessere Performance aufweist. Die Outperformance von Gold im Vergleich zu seinem historischen Durchschnitt bestätigt sich in den folgenden Jahren tendenziell.

Quelle: World Gold Council
Wenn alle anderen Faktoren gleich bleiben und Gold seinem historischen Trend folgt, ist im zweiten Jahr nach der Präsidentschaftswahl in den USA mit einem Kursanstieg von etwa 10 % bis 12 % zu rechnen. Dabei wird jedoch weder die mögliche Fortsetzung der Aufwärtsdivergenz noch eine mögliche Normalisierung berücksichtigt. Im letzteren Fall wäre auch eine Stabilisierung oder ein leichter Rückgang des Goldkurses denkbar.
Vor diesem Hintergrund geben die Banken insgesamt optimistische Prognosen ab. So gibt die Deutsche Bank beispielsweise in einem Basisszenario ein Kursziel von 4.450 USD pro Unze an, was bereits dem aktuellen Niveau entspricht. JP Morgan ist bullischer eingestellt und „prognostiziert, dass der Preis bis zum letzten Quartal 2026 durchschnittlich 5.055 USD pro Unze erreicht und bis Ende 2027 auf 5.400 USD pro Unze steigen wird”. Dies würde einem Plus von 10 % bis 15 % gegenüber dem aktuellen Kursniveau entsprechen, was auch mit dem betrachteten Szenario zur Saisonalität von Gold übereinstimmt.
Fazit
Die Rückkehr der Anleger an den Goldmarkt gleicht im Jahr 2025 den Rückgang der Nachfrage seitens der Schmuckindustrie und der Zentralbanken aus. Insbesondere die Kapitalzuflüsse mittels der ETFs haben die Goldnachfrage in diesem Jahr stark beeinflusst. Da die Preisentwicklung zu großen Teilen vom aktuellen Momentum getragen wird, ähnlich der Dynamik an den Aktienmärkten, verstärkt sich die Unsicherheit hinsichtlich der weiteren Performance des Goldpreises in den kommenden Monaten.
Dennoch scheint das gelbe Metall weiterhin von einer günstigen Dynamik zu profitieren, wie der Konsens der Prognosen der Großbanken nahelegt, wenngleich diese weniger ausgeprägt sein dürfte als im Jahr 2025. Daher wird die Entwicklung des Goldpreises 2026 neben dem Momentum-Effekt auch von der Aussicht auf eine Senkung der US-Leitzinsen, der Entwicklung der Liquidität, der Nachfrage nach Investitionen und Schmuck sowie den Käufen der Zentralbanken beeinflusst. Darüber hinaus schließen einige Banken eine Phase der Stagnation oder Konsolidierung des Goldpreises nicht aus.
Die Outperformance von Gold sowohl im Vergleich zu anderen Vermögenswerten als auch zu seinem historischen Verhalten zeigt auch das Ende eines langen Aufwertungszyklus, der 2015-2016 und im engeren Sinne Anfang der 2000er Jahre begann. Dies mindert die Relevanz der früheren Kursentwicklung.
Es scheint offensichtlich, dass am Goldmarkt eine neue Ära beginnt. Nach der großen Abkehr vom Gold in den 1980er Jahren bekräftigt das gelbe Metall heute seine zeitlose Notwendigkeit.
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