Die russisch-ukrainische Krise wird womöglich noch schneller als erwartet ein neues internationales Zahlungssystem entstehen lassen.

Angesichts der Beschlagnahmung ihrer Reserven bei der Fed und der EZB hat die russische Zentralbank nicht nur beschlossen, dass alle Russland gegenüber feindlichen Länder ihre Importe in Rubel zahlen müssen, sondern auch, dass sie alles ihr angebotene Gold zu einem Festpreis von 5000 Rubel pro Gramm aufkauft.

Stellen wir einige Berechnungen an:

Die Zentralbank Russlands kauft Gold zu 5000 Rubel je Gramm.

Das gleiche Gramm Gold wird außerhalb Russlands an den internationalen Märkten zu 62 $ gehandelt.

Es gibt also zwei verschiedene Preise für das gleiche Gramm Gold. Das öffnet die Tür für Arbitragemöglichkeiten.

Dies führt uns zur ersten Frage:

Bei welchem Wechselkurs wäre der Goldkurs innerhalb und außerhalb Russlands gleich?

Antwort: Bei 80 Rubel je Dollar.

Nach dem Einmarsch in die Ukraine ist der Rubel von einem Dollar-Wechselkurs von 78:1 bis auf 145:1 auf dem Höhepunkt der Panik gefallen. Heute ist er wieder bis auf 82:1 geklettert.

Mission accomplished.

Wie ist das abgelaufen?

Hier eine eigenwillige Erklärung:

Ivan Popov, der berühmte russische Oligarch, der keinen Zugriff mehr auf seine Konten in US-Dollar hat, besitzt Gold in Russland. Das tauscht er bei der russischen Zentralbank ein, um seine Liquidität zu sichern. Die Zentralbank händigt ihm Rubel aus und tätigt gleichzeitig einen Leerverkauf im gleichen Umfang am Goldmarkt in Istanbul, wo sie ein Konto hat. Sie erhält dafür Dollar und tauscht diese wiederum gegen Rubel, was den Rubel gegenüber der US-Währung steigen lässt…

Und wenn sich die Aufregung gelegt hat, schließt die Zentralbank ihre Short-Positionen, indem sie Gold liefert, das sie aus den Goldminen des Landes erhalten hat.

Man kann sich also kaum vorstellen, dass der Rubel gegenüber dem Dollar erneut heftig einbricht.

Dies führt mich zur folgenden Frage: Könnte der Rubel deutkich steigen, weil die feindseligen Ausländer ihre Rohstoffe ab sofort in Rubel bezahlen müssen und dies eine starke Nachfrage nach der russischen Währung schaffen wird?

Stellen wir die Hypothese auf, dass diese neue Nachfrage den Wechselkurs bis auf 70 Rubel je Dollar hebt.

In diesem Moment hat ein Importeur die Wahl, ob er den hohen Rubel-Preis für seine Rohstoffe zahlen will, oder ob er seine Rubel am Markt von Istanbul in Gold tauschen und anschließend mit Gold zu einem Wert von 80 Rubel je Dollar zahlen will.

Jeder Finanzchef würde die zweite Option wählen und in Gold bezahlen.

Doch die Zentralbank Russlands wird physisches Gold verlangen und jegliche Papierprodukte ablehnen, die beschlagnahmt werden könnten.

Nun gibt es schon seit Langem Gerüchte, dass bestimmte große amerikanische Banken mehr Papiergold verkauft haben, als Gold in ihren Tresoren lagert.

Das bedeutet, dass die eine Short-Position auf Gold halten. Diese werden sie zweifellos eindecken müssen, da mehr und mehr physisches Gold auf Nimmerwiedersehen verschwinden wird…

Wie üblich wird derjenige, der zuerst in Panik gerät, am wenigsten verlieren.

Beobachten Sie die Kurse der großen amerikanischen Banken… wenn sie beginnen abzustürzen, wissen Sie warum.

Doch beenden wir nun vorerst die technischen Überlegungen und kommen wir zum Wesentlichen zurück. Die Entscheidungen der russischen Regierung und Behörden besiegeln das Ende des sogenannten Bretton-Woods-Systems, denn sie bedeuten, dass die Vereinigten Staaten nicht mehr mit grünen Papierfetzen bezahlen können, wenn sie russische Rohstoffe benötigen, sondern eines der folgenden Dinge liefern müssen:

1. Rubel

2. Gold

3. Produkte oder Dienstleistungen mit gleichem Gegenwert

Falls sich dieses neue System allgemein durchsetzen sollte, würde das bedeuten, dass kein Land bis zum Ende aller Tage eine defizitäre Leistungsbilanz haben und andere zwingen kann, seine Währung als Bezahlung zu akzeptieren. Früher oder später wäre das berühmte imperiale Privileg (Rueff), das darin besteht, Produkte gegen Papier tauschen zu können, tot und beerdigt. Wenn ich also das neue System betrachte, das die Russen vorgeschlagen haben, glaube ich zu verstehen, dass sie den Dollar-Standard, der im internationalen Handel seit 1945 besteht, gegen ein System tauschen wollen, das auf einem fixen Verhältnis zwischen dem Goldpreis und dem Energiepreis basiert. Energie kann dabei durch Rubel ersetzt werden, da die Schwankungen des Rubelkurses mit denen der Energiepreise korrelieren, wie meine erste Grafik bezeugt:

 

Schwankungen des Rubelkurses und des Ölpreises im 2-Jahres-Vergleich

 

Offenkundig hat Russland beschlossen, ohne den Dollar und den Euro auszukommen, und diejenigen, die russische Rohstoffe kaufen wollen, müssen entweder in Gold oder in Rubel zahlen.

Und da Russland als einziges Land weiter in seine Rohstoffproduktion investierte, während die anderen sich auf dem Altar der Gaia opferten, wird ihnen nichts anderes übrig bleiben, als sich den Bedingungen Russlands zu beugen.

Sobald sie dies tun, wird Russland sofort als wirtschaftlicher, aber auch finanzieller Gigant erscheinen, denn Russland wird das zahlungsfähigste Land der Welt sein.

Selbstverständlich werden die Zinsen in Russland von 20 % auf 2 % sinken, wenn der Rubel an Gold gebunden wird, was Investitionen in den russischen Rohstoffsektor erleichtern wird.

Sollten diese Manöver gelingen, würde das den Dollar unter enormen Abwärtsdruck setzen und wäre äußerst bullisch für Gold, da alle, die Devisenreserven für den Kauf von Öl angelegt hatten, diese geschwind in Gold umtauschen würden… um damit wiederum Öl zu kaufen.

In dieser neuen Welt werden die europäischen Staaten, die viel Gold besitzen, dieses nicht mit denen teilen wollen, die wenig besitzen. Der Euro wird also verschwinden.

Seitens der USA sind zwei Gegenmaßnahmen denkbar, seitens Europas keine einzige:

  • Einen dritten Weltkrieg auslösen, was ein wenig gewagt wäre;
  • Eine massive Neubewertung der amerikanischen Goldbestände, die die größten der Welt darstellen, damit die US-Schulden zumindest wieder teilweise durch die inländischen Goldreserven gedeckt sind.

Das führt mich zur letzten Frage: Welches Maß müsste diese Neubewertung haben?

Betrachten wir zunächst das Verhältnis zwischen Gold und dem Aktienmarkt, welches immer zu seinem Mittelwert von 1,6 zurückkehrt.

 

Gold vs. S&P 500

 

Eine Vervierfachung würde ausreichen, was den Goldkurs auf 8000 $ je Unze heben würde…

Wenn ich das Verhältnis zwischen den amerikanischen Goldreserven (Aktiva) und dem Wert der Devisenreserven betrachte, die für ausländische Zentralbanken bei der Fed hinterlegt sind (Passiva der USA), müsste der Goldpreis etwa um das Sechsfache erhöht werden, damit das Verhältnis bei ungefähr 1:1 läge.

Das würde uns zu einem Kurs von 11.000 $ je Unze führen.

Wir müssen es nicht so genau nehmen. Sagen wir 10.000 $ je Unze und lassen es gut sein.

 

Goldreserven der USA im Verhältnis zu den bei der Fed hinterlegten Devisenreserven ausländischer Zentralbanken

 

Kaufen Sie Gold und die Aktien der Goldminen, die wie Raketen in die Höhe schießen werden.


Originalquelle: Institut Des Libertés