Die Nullzinsen und Assetkäufe (quantitative Lockerungen, QE) der Zentralbanken wurden im Laufe des Jahres 2019 zunehmend kritisiert. Mehr und mehr Ökonomen, Manager und Institutionen wiesen auf die Wirkungslosigkeit der Maßnahmen und die Gefahr von Spekulationsblasen hin. Es handelte sich nicht um eine massive Bewegung, aber die bis dahin vorherrschende, überwiegende Einhelligkeit der Akteure war verschwunden. Mario Draghis Entscheidung – kurz bevor er sein Amt als Vorsitzender der EZB im September 2019 niederlegte – das europäische QE-Programm wiederzubeleben (20 Milliarden € pro Monat) hatte zu Unverständnis geführt, während gleichzeitig auch die beträchtlichen Liquiditätsspritzen der Fed im Rahmen der „Repos“ (QE unter anderem Namen) den Investoren Sorge bereiteten. Wir haben darüber gesprochen.

Doch zum Glück kam das Coronavirus. „Verdirb niemals eine gute Krise“, heißt nicht ohne Grund. Die Wirtschaft wurde von der Pandemie hart getroffen, die Rezession droht und die Zentralbanken eilen als Retter herbei! Am 3. März senkte die Fed den Leitzins zur allgemeinen Überraschung um einen halben Prozentpunkt. Die EZB, die sicherlich verärgert darüber ist, dass sie derart hintergangen wurde, sollte schnell handeln. Umso mehr, als Christine Lagarde schon am 2. März sagte, dass die Epidemie “Risiken für die wirtschaftlichen Aussichten und die Finanzmärkte“ schaffe und man bereit sei, „wenn nötig angemessene, gezielte und den zugrundeliegenden Risiken entsprechende Maßnahmen zu ergreifen“. Das beruhigt uns.

Wofür sind die Eingriffe in das Marktgeschehen gleich noch einmal gut? Zugegeben, als die Fed die Zinssenkung verkündete, ging es an den Aktienmärkten sofort bergauf. Aber wie kann die Druckerpresse, aus Sicht der Fundamentaldaten, einen Rückgang der tatsächlichen Wirtschaftsaktivität kompensieren? Sie kann natürlich gar nichts beitragen. Alles hängt vom Virus und der Antwort des Gesundheitssystems ab, d. h. von der realen Welt, in der wir uns befinden. Die Druckerpresse kann den Märkten nur eine weitere Dosis ihrer liebsten Droge verabreichen, bevor sie letztlich umso tiefer fallen.

Im aktuellen Kontext sind die Interventionen der Zentralbanken nutzlos und werden sogar eine störende Wirkung haben, da sie die Preise verzerren. Aber die Notenbanken handeln aus Angst: Sie fürchten, dass die Spekulationsblasen (Anleihen, Aktien, Immobilen), zu deren Entstehung sie selbst beigetragen haben, als Folge dieser unerwarteten Krise platzen. Das Coronavirus ist der schwarze Schwan, der das Kartenhaus zum Einsturz bringen könnte, welches sie jahrelang aufgebaut haben…

Durch dieses Verhalten, indem sie sich als die einzige Hoffnung präsentieren, riskieren die Zentralbanken, eine Krise auszulösen, die weit schlimmer wäre als eine vorübergehende Rezession: Hyperinflation. Wie wir gezeigt haben, erfordert die Instabilität der Preise enthemmtes Gelddrucken, aber wenn gleichzeitig die reale Wirtschaftsleistung sinkt, werden wir mit offenen Augen auf die hyperinflationäre Krise zusteuern.

Statt auf die „magische“ Macht der Zentralbanken zu vertrauen, wären die Regierungen besser beraten, die Auswirkungen des Coronavirus effektiv anzugehen, sich an der Realität zu orientieren, die wirtschaftlichen Folgen abzumildern, die Steuern zumindest vorübergehend zu senken (man darf ja noch träumen…) und die Gesundheitskrise so gut wie möglich in den Griff zu bekommen, um die Bevölkerung zu beruhigen. Andernfalls wird wahrscheinlich eine noch ernstere Krise auf uns zukommen.