Die neusten Inflationszahlen aus Deutschland, gemessen am Erzeugerpreisindex, sind eine Überraschung. Die pessimistischsten Vorhersagen wurden übertroffen: mit einem Plus von 31% hat der deutsche Erzeugerpreisindex diejenigen überrascht, die mit einer kurzen Atempause gerechnet hatten. Doch daraus wird vorerst nichts. Die Inflation beschleunigt sich, getragen von der Energiekrise, die mittlerweile droht, die größte Wirtschaftsmacht Europas in eine ernste Rezession zu stürzen. Die schlechten Zahlen des Erzeugerpreisindex deuten darauf hin, dass sich auch der Anstieg der Verbraucherpreise fortsetzen wird. Der Verbraucherpreisindex hinkt aktuell noch weit hinter dem Erzeugerpreisindex zurück. In diesem Sommer läuft Deutschland Gefahr, einen Preisschock zu erleben, wie ihn das Land seit 1929 nicht mehr gesehen hat.

 

 

Es ist schwer vorstellbar, wie die EZB unter diesen Umständen bei der nächsten Sitzung an ihrer akkommodierenden Geldpolitik festhalten will. Frau Lagarde trägt eine enorme Last auf ihren Schultern: Bald wird sie hin- und hergerissen sein zwischen den Deutschen, die angesichts der drohenden Inflation eine sofortige Zinserhöhung fordern, und den Gläubigern der südlichen Länder, die ein Kreditereignis infolge steigender Zinsen auf staatliche Schuldverschreibungen vermeiden wollen. Die Versöhnung von Nord und Süd war auch ohne Inflation bereits schwierig genug…doch angesichts des aktuellen Inflationsniveaus in Deutschland wird sie praktisch unmöglich!

In Europa holt die Inflation nun nach und nach die Entwicklung auf, die wir in den letzten sechs Monaten in den USA gesehen haben. Zwar blieben die US-Verbraucher angesichts der plötzlichen Teuerungen dank umfassender Inanspruchnahme von Krediten zunächst weitgehend standhaft, doch die Beschleunigung der Inflationsraten in den letzten Wochen beginnt, ihnen zuzusetzen: Der Index der Universität Michigan, der die Stimmung der Haushalte misst, hat einen historischen Tiefstwert erreicht. Die Stimmung ist sogar noch schlechter als während der letzten drei Finanzkrisen! Der Inflationsschock ist für die Moral noch verheerender als ein Finanzcrash!

 

 

Der Abfall der Stimmungskurve bei den Konsumenten betrifft insbesondere die Sektoren, die sehr anfällig auf steigende Zinsen reagieren, wie beispielsweise die Immobilienbranche.

Fast 80 % der US-Amerikaner glauben, dass aktuell kein guter Zeitpunkt für einen Immobilienkauf ist. Ein beunruhigend hoher Anteil für den Sektor, wenn man ihn mit den vergangenen zehn Jahren vergleicht:

 

 

Die Inflation ist dabei, den Motor des weltweiten Wachstums lahmzulegen: Die US-Verbraucher werfen gerade das Handtuch.

Dieser Umschwung des Sentiments hat tiefgreifende Folgen, da er auch den Zugang zu Krediten betrifft. Wie wir in den vergangenen Wochen sehen konnten, haben die Banken ihre Kreditbedingungen außergewöhnlich stark gelockert, um den Konsum zu stützen. Auch die Fintech-Unternehmen haben massiv zur Explosion der Konsumkredite beigetragen, welche ihr Niveau vor Beginn der Corona-Krise wieder erreicht haben. Die Amerikaner haben ihre während der Lockdowns zurückgelegten Ersparnisse aufgebraucht und die Konsumkredite belasten ihre Finanzen heute sogar noch stärker als vor der Krise:

 

 

Die zu hohe Kreditbelastung und die Inflation beeinträchtigen die Zuversicht.

Die US-Verbraucher sind am Ende. Das Gewicht ihrer Schulden, in Verbindung mit der historischen Preiserhöhung täglicher Konsumgüter (insbesondere Benzin) könnte ihre geplanten Ausgaben in den nächsten Wochen abrupt einbrechen lassen.

Das gesamte System basiert auf diesem Motor des Konsums. Er bestimmt, in welchem Umfang neue Kredite vergeben werden, und die Kreditschöpfung ist unentbehrlich für das Funktionieren des Systems.

Ohne steuer- oder geldpolitische Intervention droht dem Motor zwei Jahre nach dem Corona-Crash eine neue Panne.

In den letzten 50 Jahren gingen starke Stimmungstiefs der Verbraucher immer mit Zeiten einher, in denen Gold gekauft wurde:

 

 

Es ist, als hätte der Goldmarkt die steuer- oder geldpolitischen Maßnahmen infolge der Motorpanne jeweils vorausgeahnt.

Es ist interessant zu sehen, dass das aktuelle Stimmungstief in den USA mit einem Zeitpunkt zusammenfällt, an dem der Goldpreis bereits auf einem hohen Niveau notiert. Wenn sich die Geschichte wiederholt, ist der Goldkurs prädestiniert seine historischen Rekorde zu überflügeln.

Dazu passt auch die Positionierung der Akteure am Terminmarkt in dieser Woche gemäß dem Commitments of Traders Report (COT):

 

 

Die Commercials haben ihre Verkaufspositionen innerhalb von nur einer Woche rasant abgebaut (und wie üblich auf Kosten der Hedgefonds eingedeckt).

 

 

Die Short-Positionen der Commercials sind äußerst niedrig und auch das Open Interest ist auf ein Niveau gesunken, welches das Ende der Korrektur am Goldmarkt ankündigt:

 

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