Angesichts der Coronavirus-Krise haben die Zentralbanken in den Modus „offene Bar“ umgeschaltet: Die Federal Reserve hat in den Vereinigten Staaten am 3. März eine Finanzspritze von 1,5 Billionen Dollar angekündigt, zusammen mit einer Senkung des Leitzinses auf 0%, während die europäische Zentralbank am 19. März mit der Vorstellung eines 750 Milliarden Euro schweren Notfallplans nachfolgte. Außerdem wurde deutlich gemacht, dass dies keineswegs alles gewesen sein muss. Von nun an sind “keine Grenzen“ gesetzt.

Dieses hemmungslose Gelddrucken kann zu Hyperinflation führen, aber es kann auch eine „Zombifizierung“ der Wirtschaft zur Folge haben, welche nicht unbedingt sofort sichtbar, aber keineswegs weniger ernst wäre. „Zombieunternehmen“ sind verschuldete Firmen, die Pleite gehen würde, wenn die Zinsen auf einem normalen Niveau lägen. Die OECD schlägt eine technischere Definition vor: “Zombieunternehmen sind ältere Unternehmen (mindestens zehn Jahre alt), deren Erträge nicht ausreichen, um ihre Zinsverpflichtungen für zwei oder drei aufeinanderfolgende Jahre zu decken.“ Die Nullzinsen, die wir nun schon seit Jahren kennen, lassen in Schieflage geratene Unternehmen jedoch trotz fehlender Chancen und Wettbewerbsfähigkeit überleben. Damit werden sicherlich größere Entlassungswellen vermieden, aber die Situation schadet der allgemeinen Wirtschaftsaktivität des Landes. Diese Unternehmen überleben, haben aber nicht teil am Kreislauf aus „Zerstörung und Neuschöpfung“, den Schumpeter propagierte, sondern behindern stattdessen das Wirtschaftswachstum.

Um massenhafte Konkurse zu vermeiden, bestärken die Regierungen die Geschäftsbanken im Umwälzen von Unternehmenskrediten. Manche dieser Firmen sind durchaus wettbewerbsfähig und werden nach dem Ende der krisenbedingten Maßnahmen problemlos neustarten können, aber andere stecken schon seit Langem in Schwierigkeiten und werden von einer weiteren Gnadenfrist profitieren. Das Ergebnis ist die „Zombifizierung“ der Wirtschaft, wo überschuldete Unternehmen, die nicht in der Lage sind, neue Projekte auf den Weg zu bringen, ausreichend finanziert sind, während neuen, innovativen Unternehmen die Mittel fehlen.

Dieses Phänomen sollte nicht unterschätzt werden. Nach Angaben einer 2018 veröffentlichten Studie der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich ist der Anteil der Zombiefirmen in den OECD-Staaten von 1% im Jahr 1990 auf 12% im Jahr 2015 gestiegen. Im Zuge der Coronavirus-Krise wird sich diese Zahl noch weiter erhöhen.

Die Zentralbanken stehen hier fest an der Seite der Regierungen: Die Bank of England wird als „spekulativ“ eingestufte Unternehmensanleihen zurückkaufen, d.h. die Schuldtitel der Unternehmen, die bereits vor der aktuellen Krise in Schwierigkeiten waren. Mit ihrem „Pandemic Emergency Purchase Programme” (Pandemie-Notfallkaufprogramm) bereitet sich die EZB auf umfangreiche Asset-Rückkäufe vor, einschließlich solcher, mit denen geschwächten Unternehmen geholfen werden sollen. Die Fed hat ihrerseits BlackRock ein direktes Mandat gegeben, sie bei der Umsetzung eines Teils ihres Marktrettungsplans zu unterstützen. Die Vermögensverwalter werden die Notenbank beim Kauf von Unternehmensanleihen beraten. BlackRock betont natürlich, dass zwischen der Beratertätigkeit des Unternehmens und seinem Investmentgeschäft eine „Chinesische Mauer“ steht. Ja, sicher. Darf es nicht vielleicht doch ein wenig Vetternwirtschaft sein?

Die Zentralbanken waren bereits dabei behilflich, den Sektor der Zombiebanken zu schaffen, indem sie Liquiditätsspritzen bereitstellten. Im Zuge der Pandemie wird diese Strategie noch deutlicher werden (Verschiebung der Basel-III-Reformen, geringere Eigenkapitalanforderungen), da die Banken hart von der Krise getroffen werden (Rezession, höhere Kreditausfallraten). Aber nun wird die Zombifizierung zu unserem Unglück auch auf die Realwirtschaft übergreifen, und eine Rezession auslösen, die nie endet…