In einem langen Blogbeitrag stellt der Ökonom Patrick Artus, der die Research-Abteilung der Bank Natixis leitet, interessante Überlegungen zur aktuellen Situation an, insbesondere zu den Druckerpressen der Zentralbanken, die unter Volllast im Dauerbetrieb laufen. Welche Konsequenzen und Gefahren drohen?

Er weist zunächst darauf hin, dass sich das Risiko von der Verschuldung (die nicht mehr das zentrale Problem darstellt, da sie grenzenlos von der Zentralbank finanziert wird) hin zur Währung selbst verschiebt: „Wenn die Staatsschulden monetisiert werden, besteht das Problem der Akzeptanz dieser Schulden nicht mehr, weil sie sofort von der Zentralbank aufgekauft werden. Infolgedessen wird die Akzeptanz der Währung selbst zum Problem.“ Wir haben bereits mehrfach darauf hingewiesen, aber es ist von entscheidender Bedeutung, sich diese Verschiebung bewusst zu machen.

Die große Bedrohung stellt eine „Flucht aus dem Geld“ dar, welche der Auftakt zur Hyperinflation und Zerstörung der Währung und somit auch der Ersparnisse wäre. „In einem Schwellenland ist es simpel: Die Sparer kaufen ausländische Devisen, um sich der nationalen Währung zu entledigen, was zu enormen Kapitalabflüssen und einem Einbruch des Wechselkurses führt.“ (Zurzeit können wir das in der Türkei und in Argentinien beobachten.) „Aber in einem OECD-Land, in dem eine Reservewährung verwendet wird (Vereinigte Staaten, Eurozone, Vereinigten Königreich, Japan), ist eine Flucht in eine andere Währung nicht möglich. Es kommt daher zu einer beträchtlichen Vermögensumschichtung in andere Anlageklassen (Immobilien) und zum starken Anstieg der entsprechenden Assetpreise.“

Die Preise dieser Aktiva (Immobilien, Aktien, Anleihen) steigen „zu hoch“ und das ist ganz normal: „Wenn zu viel Geld im Umlauf ist, muss die Akzeptanz des Geldes bei den Sparern und Anlegern wiederhergestellt werden, und zu diesem Zweck müssen die anderen Vermögenswerte einen Teil ihrer Attraktivität einbüßen. Es ist daher notwendig, dass die Preise dieser Vermögenswerte zu hoch werden.“ Die Falle für den Sparer schnappt zu.

Diese überhöhten Preise sind nichts anderes als eine Steuer: Die schwachen Anleihezinsen (z. B. bei Lebensversicherungen) „stellen eine Besteuerung der Sparer dar, deren Kapitalgewinne immer weiter sinken; die unnormal hohen Börsenkurse stellen ebenfalls eine Besteuerung der Sparer dar, die für spätere Dividenden zu viel bezahlen müssen; die hohen Immobilienpreise entsprechen einer Besteuerung beim Kauf von Wohneigentum, welches zu teuer ist.“ Diese Steuern führen zu einer tiefgehenden Ungerechtigkeit in der Gesellschaft: „Die verschiedenen Steuern sind außerdem besonders ungerecht, da sie vor allem die Jungen treffen, die sich erst noch ein Vermögen aufbauen müssen, um ihren Ruhestand zu sichern, und die erst noch eine Wohnung oder ein Haus kaufen wollen.“ 

Die klassischen Investitionen der Sparer (Immobilien, Aktien, Anleihen) sind also zu teuer. Anders gesagt: Sie bringen nicht mehr viel ein und es besteht das Risiko eines Crashs, da sich an den Märkten Spekulationsblasen gebildet haben, die mit dem Helium aus den Druckerpressen immer weiter aufgeblasen wurden. Gibt es einen Ausweg? Ja, und Patrick Artus nennt ihn: Gold und Privatwährungen (Bitcoin). Die Kryptowährung hat derzeit noch eine geringe Kapitalisierung (400 Milliarden Dollar, verglichen mit mehr als 10 Billionen Dollar am Goldmarkt) und ihr Kurs ist viel volatiler, was nicht gut mit der Idee vereinbar ist, sie als „sicheren Hafen“ zu nutzen. Gold kann in dieser Hinsicht dagegen eine beispiellose Erfolgsbilanz vorweisen. Es ist ganz einfach die Nummer Eins beim Vermögensschutz und die beste Art, um aus einer Währung zu „fliehen“, ohne in einen stark aufgeblähten Markt zu investieren, an dem jederzeit die Gefahr eines Crashs besteht. Gold steigt seit Monaten, aber ohne Exzess. Es bleibt die beste Möglichkeit, um die Kaufkraft des eigenen Kapitals langfristig zu erhalten und den „unsichtbaren Steuern“ zu entgehen, die auf allen Sparern lasten.