Der Blick zurück ist die genaueste aller Wissenschaften. Die meisten Menschen, die ihr Leben mit Blick auf die Vergangenheit leben, haben ein tristes Leben. Nach einigen Jahren auf dieser Welt neige ich dazu, nicht zurückzublicken – vor allem nicht bei negativen Ereignissen. Unsicherheit zu akzeptieren ist da viel besser, weil alles, was von jetzt an passiert, ungewiss ist. Gegen die Vergangenheit können wir nichts ausrichten, über unsere Zukunft haben wir mit Sicherheit mehr Kontrolle. Und mit Blick auf die Zukunft scheint es ganz so, als ob sich die nächsten Jahre wirtschaftlich, sozial und auch politisch extrem turbulent gestalten werden.

Obgleich ich normalerweise nicht zurückblicke, habe ich mir einen Newsletter angesehen, den ich im Juli 2009 geschrieben hatte, als Gold bei knapp über 900 $ stand und der Dow bei 9.100 Punkten. Der Artikel mit dem Titel “The Dark Years are here” erregte damals ziemlich viel Aufmerksamkeit. Zu jener Zeit ging die Subprime-Krise zu Ende; der Dow war gerade erst um 60 % gefallen und Gold seit 1999 von 250 $ auf 925 $ gestiegen.

Ich riskiere hier meinen Kopf, weil (wie sehr häufig bei Vorhersagen) das Timing meiner Prognosen viele Fehler hatte. Man darf aber nicht vergessen, dass Risikoabsicherung wichtiger ist als richtiges Timing. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass der Risikoschutz wichtiger ist als die richtige Zeitplanung.

Am Ende des Artikels werde ich einige wichtige Schlussfolgerungen ziehen.

6. September 2018

Wenn ich mir diesen 9 Jahre alten Artikel erneut durchlese, finde ich nur sehr wenige Wörter, die ich ändern würde. Rund 98% des Artikels sind voll und ganz gültig. Doch die Zeitangaben waren natürlich ganz falsch. Durch die Änderung von nur ein paar Daten hätte der Artikel von heute stammen können.

Die Goldprognose war akzeptabel, da Gold sich mehr als verdoppelt hatte – von 900 $ im Jahr 2009 auf 1.920 $ im Jahr 2011. Aber die Börsenprognose war ernsthaft falsch. Das zeigt, dass wir Goldexperten sind und keine Aktienexperten! Es zeigt aber auch, dass Aktien in einer massiven Blase stecken.

Was habe ich/wir also 9 Jahre später gelernt?

Erstens: Die augenscheinlichste Lektion ist natürlich, dass genaue Prognosen irgendwo schwachsinnig sind. Zweitens: Da wir es wahrscheinlich mit dem Ende eines großen Superzyklus zu tun haben (sei es ein Zyklus von ein paar hundert Jahren oder einigen tausend Jahren), müssen wir einsehen, dass die Dinge oft länger dauern als der kurze Horizont eines Menschen.

Drittens habe ich, wie viele andere Personen, die Risiken analysieren, die Fähigkeit von Regierungen und Zentralbanken unterschätzt, Dinge einfach aufschieben zu können, indem sie die globale Verschuldung seit 2006 verdoppelt haben und Gesamtverbindlichkeiten in Billiarden-Höhe übernommen haben (einschließlich Derivate und ungedeckte Verbindlichkeiten).

Falschgeld, gefälschte Nachrichten und manipulierte Daten haben wesentlich dazu beigetragen, die Welt zur irrigen Annahme zu bringen, dass alles gut sei und „Im Westen nichts Neues“ passiert.

Aber im Westen ist mit Sicherheit nicht mehr alles gut, und im Osten auch nicht.

2009 war das Risiko sehr hoch, aber den Herrschenden gelang es, das Unvermeidliche neun weitere Jahre aufzuschieben. 2007/09 war nur die Probe. Heute im Jahr 2018 ist das Risiko exponentiell höher. Anstatt uns Gedanken darüber zu machen, wann das Finanzsystem zusammenbrechen wird, müssen wir uns um das massive Risiko und die Folgen eines Systemausfalls sorgen.

Es passiert bereits in der Peripherie und wird sich auch auf das Zentrum ausbreiten. Schauen Sie sich Venezuela an, schauen Sie sich Argentinien an, oder die Türkei, Brasilien, Indonesien. Diese Länder sind bereits stark betroffen. Es wird Italien, Japan und auch die USA erreichen und, und, und… Es geht nicht um das OB, sondern um das WANN. In den meisten dieser Länder haben die Dunklen Jahre bereits begonnen.

Auch im Westen leiden die einfachen Menschen unter stagnierenden Realeinkommen und jahrzehntelang steigenden Preisen und auch unter Schulden, deren Zinsen sie sich nicht leisten können, von einer Rückzahlung ganz zu schweigen. Der Anstieg der globalen Verschuldung um 125 Billionen Dollar seit 2006 hat den meisten einfachen Menschen eine Last angetragen, an der sie zerbrechen werden. Die Reichen hingegen haben dieses massive Kreditwachstum genutzt, um ihre Vermögenswerte zu hebeln und unvorstellbare Vermögen anzuhäufen. Die meisten dieser Vermögen werden in den kommenden Jahren implodieren.

Risikoschutz muss vor dem Ereignis erworben werden. Es bleibt noch Zeit, sich eine “Versicherung” zu einem sehr günstigen Preis zu kaufen. Sobald Sie die Versicherung in Form von Edelmetallen besitzen, stellen Sie diese auf den Boden Ihrer Vermögenspyramide und lassen Sie sie dort stehen.

Kaufen Sie also physisches Gold und etwas Silber jetzt. Bewahren Sie es sicher außerhalb Ihres Wohnsitzlandes auf. Warten Sie nicht; es wird Devisenkontrollen geben, da alle Währungen entwerten werden – und an diesem Punkt ist es schon zu spät.

Anschließend genießen Sie ihr Leben. Denn irgendwann in den kommenden Jahren werden die Zeiten für viele von uns viel schwerer sein.

September 2018

Egon von Greyerz

„Es gibt keine Möglichkeit, den finalen Zusammenbruch eines Booms zu verhindern, der durch Kreditexpansion erzeugt wurde. Die einzige Alternative lautet: Entweder die Krise entsteht früher durch die freiwillige Beendigung einer Kreditexpansion, oder sie entsteht später als finale und totale Katastrophe für das betreffende Währungssystem.”

Ludwig von Mises