Am 20. April 2021 erschien das neue Buch „Die größte Chance aller Zeiten: Was wir jetzt aus der Krise lernen müssen und wie Sie vom größten Vermögenstransfer der Menschheit profitieren“ des Finanzexperten Marc Friedrich. In diesem gibt er einen Überblick über die monetären, ökonomischen und politischen Verstrickungen, die das Ende verschiedener Zyklen besiegeln und zu tiefgreifenden Umwälzungen führen werden. Zudem gibt Friedrich seinen Lesern einen Leitfaden aus konkreten Anlagestrategien und praktischen Hinweisen an die Hand, um die kommende Krise und Zeitenwende intelligent zum Vermögensaufbau zu nutzen. Der mehrfache Bestsellerautor stand uns vorab für ein Interview zur Verfügung.

 

GoldBroker: Am 20. April erscheint Ihr neues Buch, „Die größte Chance aller Zeiten“. Darin beschreiben Sie hauptsächlich, wie man sich auf die kommende Krise vorbereiten und diese auch als Chance nutzen kann. Uns stellt sich jetzt zuerst die Frage: Sehen wir zurzeit nicht auch positive Entwicklungen in der Welt? Die Impfkampagne schreitet voran, Maßnahmen und Beschränkungen werden zunehmend gelockert und es werden Hilfspakete in Billionenhöhe aufgelegt, die wirtschaftlichen Aufschwung versprechen. Könnte man nicht auch sagen: Wir haben das Schlimmste schon hinter uns?

Marc Friedrich: Klar, wir sehen auch positive Aspekte. Fakt ist aber auch, dass wir die Krise mit diesen immensen Geldpaketen lediglich in die Zukunft verschieben, dass wir die Probleme aber nicht lösen. Irgendwann müssen wir die Schulden zurückzahlen, irgendwann wird sich die Inflation ihre Bahn brechen und dann braucht man natürlich eine gute Lebensversicherung für seine Kaufkraft, für seinen Wohlstand. Wir sehen, dass wir nur eine Art Insolvenzverschleppung betreiben, denn durch diese gigantischen Konjunkturpakete, aber auch durch die Aufkaufprogramme der Notenbanken treiben wir ja die Zombifizierung der Unternehmen voran, halten wir die Insolvenzen sozusagen nur auf, die aber irgendwann ausbrechen werden.

Wir werden an den Aktienmärkten natürlich einen Crack-Up-Boom sehen, wir werden sehen, dass die Menschen einen großen Nachholbedarf haben beim Reisen, Konsumieren, Essen gehen usw. Aber langfristig wird der nicht sein, vor allem, weil die Schäden in der Wirtschaft da sind. Wir werden viele Pleiten sehen, viele Einzelhändler werden verschwinden, in ganz Europa und weltweit. Die werden nie wieder öffnen und das wird uns in Zukunft auf die Füße fallen und sehr, sehr wehtun. Das heißt, dass Steuererhöhungen eigentlich vorprogrammiert sind, egal in welchem Land. Die Abgaben werden steigen und die Inflation wird natürlich auch am Ersparten knabbern. Man muss sich jetzt gut aufstellen, um die Kaufkraft, den Wohlstand, das Vermögen zu erhalten.

GB: Sie sagen also, es kann durchaus erst einmal noch eine Zeit lang bergauf gehen, aber letztendlich werden wir die Krise wahrscheinlich umso heftiger erleben. Sie schreiben auch, dass uns ein regelrechter Paradigmenwechsel bevorsteht, dass verschiedene Zyklen enden und ein neues Zeitalter beginnt. Auf welche Umwälzungen beziehen Sie sich dabei genau?

MF: Auf alle, und zwar in jeglichem Bereich. Politisch sehen wir das schon, es ist zu spüren, dass die Politik auf dem absteigenden Ast ist. Die EU schlittert von einer Krise zur anderen, hat keine gelöst, hat sich eigentlich immer nur blamiert. Das sehen wir natürlich auch an den politischen Parteien in ganz Europa, aber auch in Deutschland, die versagen, die überfordert sind, die aktivistisch kopflos agieren und die Probleme nicht lösen, sondern sogar noch verschlimmern.

Wir sehen, dass die Notenbanken wirtschaftlich in einem Dilemma, in einer Zwickmühle sind und aus dieser Abwärtsspirale des ständigen Gelddruckens, des ständigen Aufkaufens, des ständigen Intervenierens und immer tieferer Zinsen gar nicht mehr herauskommen. Wir sehen, dass unser Geldsystem am Ende ist. Wir sehen, dass die Banken und die Finanzwelt immer noch wanken, dass sie seit 2008 nicht wirklich auf den Weg der Besserung gekommen sind, dass wir ständig wieder aufkaufen müssen, retten müssen, dass die Wirtschaft nicht so stark wächst, wie sie wachsen sollte, und dass die Schulden stärker steigen als das Wirtschaftswachstum. Überall sehen wir doch, dass da einiges im Argen liegt und vor allem sehen wir, dass die Gesellschaft gespalten ist wie noch nie, und zwar weltweit. Dahingehend brauchen wir jetzt eine Besserung. Ich befürchte aber, dass es erst schlimmer werden muss, bevor es besser wird.

Ich habe auch versucht, den Leuten aufzuzeigen, dass Krisen in der Geschichte der Menschheit immer notwendig waren. Die Menschheit ist durch Krisen gewachsen, das war Teil der Evolution, und der Mensch lernt immer durch Krisen. Wenn Sie in Ihre eigene Biografie zurückschauen, wann hatten Sie den größten Lerneffekt? Als kleines Kind fällt man vielleicht fünfmal hin, aber trotzdem wird man laufen lernen. Genauso ist es mit jedem von uns allen: Wir brauchen Krisen, um uns weiterzuentwickeln, um uns zu definieren, um uns kennenzulernen, um zu wissen, was unsere Stärken und unsere Schwächen sind. Dahingehend sind Krisen gigantische Chance für uns als Menschheit und für uns als Individuum.

Deswegen ergeben sich auch für uns als Gesellschaft jetzt große Chancen, dass wir ein neues politisches System und ein neues Geldsystem implementieren, aber natürlich auch im privaten Bereich, indem man sich jetzt finanziell so aufstellt, dass man vom größten Vermögenstransfer der Menschheit profitieren kann und vielleicht finanzielle Freiheit erreicht.

GB: Sie glauben also, dass alle Aspekte des Lebens davon erfasst werden, dass es keine wirtschaftlichen, gesellschaftlichen oder politischen Sphären gibt, die von diesem Wandel unberührt bleiben.

MF: Nein. Das zeichnet ja einen Paradigmenwechsel, eine Zeitenwende aus, dass alles in einem Transformationsprozess inbegriffen ist. Wir sehen ja, dass kein Land außen vor ist. 2008 hatten wir eine Bankenkrise in der westlichen Welt, die relativ schnell abgevespert war, aber jetzt haben wir es mit einer Krise zu tun, die es so noch nie gab. Die ganze Welt hat de facto die Volkswirtschaften abgeschlossen, hat sie in ein tiefes, künstliches Koma versetzt. So etwas gab es noch nie. Wir sitzen alle im selben Boot, von China bis Neuseeland, von Kanada bis Südafrika. Dahingehend ist das eine in der Menschheitsgeschichte einmalige Krise, die wir so noch nie gesehen haben, und aus diesem Grund brauchen wir auch globale Lösungen.

Aus diesem Grund sehe ich aber auch ein goldenes Zeitalter auf uns zukommen, wenn wir jetzt erkennen, was funktioniert und was nicht funktioniert. Wir sehen einfach, dass die alte Welt nicht mehr funktioniert, und wir nicht mehr in dieser alten Welt aufwachen werden. Wer das glaubt, ist leider naiv und wird eines Besseren belehrt werden. Wir werden nie wieder so reisen, so bezahlen, so leben, so wählen wie zuvor. Wir werden in einer komplett neuen Zeitrechnung aufwachen. Dafür müssen wir uns jetzt vorbereiten, um sie auch wirklich so zu gestalten, dass sie uns dient, denn jetzt stehen wir wirklich am Scheideweg – Freiheit oder Diktatur.

GB: Sie hatten das jetzt auch indirekt schon angesprochen: Für die Sparer in Europa stellt sich natürlich die Frage, ob es eine Währungsreform oder ein neues Währungssystem geben wird. Rechnen Sie damit, dass die Eurozone auseinanderbricht, oder kann die Gemeinschaftswährung diese schweren Zeiten überstehen?

MF: Nein, der Euro ist zum Scheitern verurteilt seit der Geburtsstunde. Er ist komplett falsch strukturiert worden, er war eigentlich schon von Anfang an eine Fehlgeburt. Es ist volkswirtschaftlicher Irrsinn, unterschiedlich starke Volkswirtschaften in ein Zins- und Währungskorsett zu betten. Das hat nie funktioniert und wird nie funktionieren. In der Geschichte der Menschheit sind alle Währungsunionen immer ausnahmslos gescheitert, und ich habe schon vor Jahren bei Markus Lanz den „Mr. Euro“, den ehemaligen Finanzminister Deutschlands Theo Weigel, gefragt, wie es dazu kommen konnte. Die letzte Währungsunion auf europäischem Boden, die lateinische Münzunion, ist ebenfalls grandios gescheitert, und er kannte sie noch nicht einmal. Ich muss schon sagen, dass das ein relativ schlechtes Fundament für eine neue Währungsunion ist, wenn man nicht einmal in die Vergangenheit blickt, denn im Rückspiegel der Geschichte kann man ja erkennen, was funktioniert und was nicht funktioniert.

Wir sehen ja, dass die Eurozone nicht funktioniert, ansonsten wäre sie nicht seit einem Jahrzehnt auf der Intensivstation und muss künstlich beatmet werden. Wir brauchen immer neue Eingriffe der Notenbanken, historisch tiefe Zinsen und Aufkaufprogramme, um die Länder überhaupt noch im Euro zu halten. Die Fieberkurven sind die TARGET2-Salden, die Fieberkurve ist aber auch der historisch tiefe Zinssatz seit 2016, sowie natürlich auch die Bilanz der EZB, die jetzt schon bei über 7 Billionen Euro steht – Ende offen, denn sie müssen weiter Geld drucken, um den Euro künstlich am Leben zu erhalten. Aus dem Grund muss man einfach sagen: Der Euro wird diese Krise nicht überleben.

Ob er auseinanderbrechen wird? Ja, er wird nicht freiwillig ad acta gelegt werden. Aus dem Grund wird uns das System wahrscheinlich unkontrolliert um die Ohren fliegen. Kein Politiker wird sich hinstellen und sagen, „Ok, liebe Leute, das Währungsexperiment Euro ist gescheitert, war ‘ne blöde Idee.“ Aber selbst schuld, man hat schließlich die Vorgaben, die Verträge, die man vorher geschlossen hat, im Nachhinein gebrochen. Da darf man sich nicht wundern, wenn es schiefgeht.

GB: Das heißt, man muss sich jetzt auch mental darauf einstellen, dass so eine große Währungsreform kommen kann?

MF: Ja, natürlich. Währungsreformen kommen und gehen, das habe ich im Buch auch aufgezeigt. Währungen scheitern immer wieder und in Deutschland gab es in den letzten Jahrhunderten etliche Währungen, die gescheitert sind. Das ist völlig normal, das ist Teil der Geschichte, Teil der Evolution, der Geldgeschichte. Diesen Geldzyklus zeige ich auch im Zyklenkapitel auf, und wenn man den erkennt, kann man sich jetzt optimal vorbereiten und hat dann neues, besseres Startkapital für das nächste Geldsystem.

GB: Gerade in letzter Zeit haben wir auch gesehen, dass die Inflationsraten und vor allem auch die Inflationserwartungen der Menschen wieder steigen, und dass in Finanzkreisen angesichts dessen wieder Sorgen laut werden. Glauben Sie, dass eine Hyperinflation, wie beispielsweise im Deutschland der Zwanziger Jahre, auch heute noch eine realistische Gefahr darstellt?

MF: Ich zeige im Buch sogar auf, dass die Inflation in Deutschland im letzten Jahr schon bei 13,73% lag und natürlich weit weg ist von dem, was uns offiziell mitgeteilt wird. De facto ist der Euro eigentlich schon im Hyperinflationsmodus, denn wenn Sie ihn zum Beispiel mit Bitcoin vergleichen, dann sehen Sie, dass 99,9% Kaufkraft verloren gegangen ist gegenüber Bitcoin. Wir sehen ja, dass Gold, Silber, Bitcoin immer weiter steigen in den letzten Jahren. Auch das zeigt, dass die Menschen immer weniger Vertrauen in das Geldsystem haben.

Aber um auf Ihre Frage zurückzukommen: Wir werden Inflation sehen und Friedrich von Hayek hat einmal passend gesagt: Inflation führt immer zu noch mehr Inflation. Dahingehend erwarte ich tatsächlich auch hyperinflationäre Entwicklungen. Deswegen sehen wir ja auch die Assetpreis-Inflation. Wir sehen Vermögenswerte auf immer neuen Höhen, Aktienmärkte, Immobilienmärkte, Edelmetalle, Bitcoin usw. Aus diesem Grund braucht man jetzt alle durch die Natur limitierten Werte im Portfolio, um eine Art Lebensversicherung für seine Kaufkraft zu haben, gegen den Wahnsinn der Notenbanken und gegen die Irrationalität der Politik.

GB: In Ihrem Buch geben Sie auch ganz konkrete Vorschläge oder Ratschläge, wie man sich jetzt als Investor positionieren sollte, um von eben diesem Paradigmenwechsel zu profitieren. Welche Anlageklassen würden Sie da empfehlen und auch welche Gewichtungen?

MF: Ich muss dem Leser ganz klar sagen, dass das eine einmalige, historische Investmentchance ist, die wir jetzt haben. Die wird zu unserer Lebzeit so nie wieder auftreten, weil jetzt mehrere Zyklen zusammenkommen, und weil wir jetzt eigentlich vor dem perfekten Sturm stehen. Ich habe im Buch versucht aufzuzeigen, wie ich mich in der aktuellen Situation aufstellen würde, und wie viel Prozent ich in welche Assetklasse investiere.

Ganz oben steht natürlich das Geld, das jeder seit Tausenden von Jahren kennt: Gold und Silber, aber auch Platin, also Edelmetalle, die durch die Natur limitiert sind, die immer Geld waren und immer Geld bleiben werden. Ich möchte dahingehend auch den folgenden Hinweis geben: Die Notenbanken haben so viel Gold wie noch nie und kaufen seit 2008, seit der Finanzkrise, immer mehr Gold zu – egal ob Russland, Türkei oder China. Und warum? Weil sie anscheinend ihrem eigenen Produkt, dem ungedeckten Papiergeld, nicht wirklich trauen und lieber eine Reservewährung haben. Die deutsche Bundesbank hält über 3.000 Tonnen Gold als Reservewährung – und das alles, obwohl wir seit 1971 keinen Goldstandard mehr haben! Das sollte uns allen zu denken geben und jeder sollte der Notenbank nacheifern und ebenfalls ein Vermögensstandbein aufbauen, indem er Gold – das ewige Geld – besitzt, das seit 5.000 Jahren bewährt ist, seit dem Römischen Reich. Immer wieder war es Geld und immer wird es meiner Ansicht nach Geld bleiben. Deswegen sollte man da sozusagen einen Pflock haben, wo man ein Vermögensstandbein in Gold, Silber, aber auch Platin implementieren kann.

Das digitale Gold finde ich ebenfalls unglaublich spannend, da würde ich ebenfalls investieren. Warum? Weil es deflationär ist. Es ist tatsächlich limitiert. Wir wissen nicht genau, wie viel Gold oder Silber noch in der Erdkruste schlummert. Bei Bitcoin wissen wir: Es ist mathematisch begrenzt auf 21 Millionen Einheiten, dann ist Ende im Gelände. Es befindet sich nicht im Zugriffsbereich der Notenbanken, es ist grenzenlos, nicht manipulierbar, und auch deswegen extrem spannend, weil man es überallhin mitnehmen kann.

Dann finde ich Aktien wichtig, gerade auch Minenaktien. Unternehmen, die praktisch Gold und Silber aus der Erde befördern, finde ich unglaublich spannend, weil diese nochmal einen Hebel auf den Goldpreis, auf den Silberpreis darstellen. Im Buch habe ich verschiedene Vorstellungen gegeben, wie man sich optimal, mit der perfekten Vermögenssicherung aufstellen kann, um der Inflation ein Schnippchen zu schlagen und um einfach zwei, drei Schritte schneller zu sein als der Rest vom Fest, als die Notenbanken.

Es werden Abgaben kommen, es werden Steuerhöhungen kommen, und natürlich wird auch die Inflation kommen. Man muss sich jetzt richtig positionieren, ansonsten schaut man in die Röhre. Wer jetzt die Weichen richtig stellt, wird Vermögen auf Generationen erhalten und schaffen. Andernfalls wird Vermögen vernichtet. In der Vergangenheit war es leider so, dass ein Großteil der breiten Masse, über 90-95 %, an diesen Krisenpunkten immer zwischen 50 % und 100 % verloren haben.

GB: Sie sagen also auf jeden Fall, dass man sich breit aufstellen sollte, in Sachwerten. Was die aktuelle Debatte zu Bitcoin vs. Gold angelangt: Man hört oft, dass Bitcoin der bessere Wertspeicher wäre oder in Zukunft der bessere Wertspeicher sein würde. Sehen Sie das genauso oder würden Sie auf jeden Fall auf beide Assets setzen?

MF: Auf beide, ich sehe da keine Konkurrenz. Ich finde Gold und Bitcoin haben beide das gleiche Ziel, nämlich besseres Geld darzustellen und einfach dem System ein Gegengewicht entgegenzubringen. Deswegen ist für mich Gold der ältere „große Bruder“ und Bitcoin ist der jüngere Bruder. Ich gehe davon aus, dass Bitcoin Gold von der Performance her tatsächlich outperformen wird, aber ich würde niemals alles auf eine Karte setzen. Ich will lieber mehrere Standbeine, mehrere Eier im Nest haben.

Für mich ist Gold essenziell, genauso wie Silber, das „Gold des kleinen Mannes“, und ich bin davon überzeugt, dass das nächste Geldsystem zwar digital sein wird, aber dass Gold und Silber definitiv auch einen Teil dazu beitragen werden. Es ist seit 5.000 Jahren archaisch in der Seele des Menschen verwurzelt, dass diese golden oder silbern schillernden Metalle einen Gegenwert haben, egal ob im Amazonas oder in Afrika, egal ob in Russland oder in Deutschland. Jeder weiß, dass sie einen Gegenwert haben, weil sie nicht künstlich hergestellt werden können. Dahingehend würde ich definitiv beides im Portfolio haben, als Absicherung.

GB: Sind Sie speziell auf die Edelmetalle bezogen auch lieber breit aufgestellt, oder haben Sie ein Metall, das Sie bevorzugen?

MF: Nein. Momentan würde ich Silber favorisieren, weil ich glaube, dass Silber noch mehr Nachholbedarf hat. Silber ist ein Industriemetall, wird tatsächlich endlich verbraucht. Alles Gold, das jemals geschürft wurde, ist zu 99% noch vorhanden in irgendwelchen Tresoren, bei Notenbanken oder als Schmuck bei hübschen Frauen um den Hals oder am Ohr. Das ist auch völlig ok, völlig legitim. Gold ist Geld und wird immer Geld bleiben, aber Silber wird eben tatsächlich verbraucht, wird immer rarer, und deswegen würde ich Silber übergewichten. Eine kleine Beimischung mit Platin finde ich auch interessant, denn ich erwarte einfach, dass diese drei Metalle in Zukunft wieder Geld sein werden.

GB: Das heißt Palladium gehört für Sie nicht unbedingt ins Portfolio?

MF: Das ist für mich kein Geldmetall, es ist für mich ein reines Industriemetall. Wer es haben möchte, wer viel Geld hat, ja, aber für den Normalbürger eher nein. Ich selbst habe auch keines.

GB: Ok. Haben Sie denn auch persönliche Kursziele für die Edelmetalle? Oder sind Sie angesichts der Inflation, die kommen wird, eigentlich der Meinung, dass es gar keine Rolle spielt, wie hoch die nominellen Kursgewinne am Ende sind?

MF: Absolut, da bin ich ganz bei Ihnen. Eine Unze Gold und eine Unze Silber sind immer eine Unze Gold bzw. eine Unze Silber, unabhängig davon, wieviel Fiatgeld ich dafür bekomme. Für mich ist Gold der Fluchtweg aus dem Geldsystem. Ich will gar kein Papiergeld mehr zurückhaben, weil das Papiergeld sowieso nur bedruckte Baumwolle ist, und immer weiter entwertet wird von der Politik, weil diese sich auf Kosten der Bürger entschulden will und die Schuldenlast auf uns abwälzen will. Dahingehend will ich es gar nicht umtauschen. Ich rechne auch gar nicht in Fiat, also in Euro oder in Dollar, sondern ich rechne meistens in Satoshi, der kleinsten Einheit von Bitcoin, beziehungsweise eben in Gold.

Ich nenne jetzt einmal meine Kursziele im alten System: Dieses Jahr sehe ich Gold bei 2.300 Dollar und Silber bei 35 Dollar + x, aber langfristig – und diese Ziele sind interessant, denn ich laufe Marathon, ich will ja die Goldmedaille bekommen und auf dem Siegertreppchen ganz oben stehen – langfristig sehe ich Gold definitiv zwischen 5.000 und 10.000 Dollar im alten System. Wenn wir in die Hyperinflation kommen, natürlich viel, viel höher.

Bei Silber sehen wir definitiv dreistellige Kurse, da kann kommen was will. Anders ist es nicht möglich und vor allem, wenn wir immer weiter Richtung Digitalisierung gehen, brauchen wir den Rohstoff Silber immens. Ohne Silber, ohne Nickel, ohne Zinn, ohne Kupfer und teilweise auch ohne Gold gibt es keine Digitalisierung, gibt es keine künstliche Intelligenz, keine Smartphones, keine Prozessoren, Platinen usw. Aus diesem Grund bin ich doch lieber derjenige der Großhändler, der beim Goldrausch die Schaufeln und die Jeanshosen verkauft, als dann sozusagen selbst im Dreck zu wühlen, und so sollte man auch denken. Deshalb sind die Minenbetreiber interessant, aber auch der Rohstoff selbst.

GB: Sie sagen jetzt Silber im dreistelligen Bereich, Gold bei 5.000, sogar 10.000 Dollar. In welchem zeitlichen Rahmen würden Sie das erwarten?

MF: In dieser Dekade, definitiv. Spätestens 2030 ist der Fisch geputzt, dann werden wir diese Ziele erreichen, wahrscheinlich schneller. Die Notenbanken und die Politik geben sich ja gerade alle Mühe, das Vertrauen in das Geldsystem bei den Bürgern weiterhin zu zerstören und dahingehend kann es auch schneller so kommen. Wenn wir Übertreibungen sehen, was durchaus möglich ist, dann kann man sich den Chart anschauen, den ich im Buch veröffentlicht habe: 1923, Weimarer Republik, wo der Goldpreis eigentlich wie die SpaceX-Rakete explodiert. Dann hat man mehrere Millionen Euro pro Unze Gold, das kann durchaus sein.

GB: Die Frage ist natürlich, welche Aussagekraft das dann noch hat, wenn die Preise in den Millionenbereich steigen.

MF: Gar keine.

GB: Wenn sich der Preis in diesem Bereich bewegt, würde man das Gold auch nicht mehr gegen Fiatgeld eintauschen wollen, sondern behalten für das, was danach kommt, damit man einen Wert hat, der einem auch nach der Krise erhalten bleibt.

MF: Ja, man kann das Startkapital für das nächste System eigentlich jetzt schon schaffen, denn im neuen System werden solche Assets viel mehr Wert haben und viel mehr Gegenwert geben als die Papierschnipsel, die wir von der EZB bekommen. Ich sage immer „In gold or Bitcoin we trust“, nicht in Fiat oder Dollar.

 

Wir bedanken uns bei Marc Friedrich für das interessante Gespräch und wünschen viel Erfolg mit dem neuen Buch „Die größte Chance aller Zeiten.“