Die Invasion Russlands in der Ukraine gab Anlass für eine beispiellose und zuvor schwer vorstellbare Entscheidung: Die Beschlagnahmung der internationalen Devisenreserven der russischen Zentralbank durch die G7-Staaten. Von den insgesamt 640 Mrd. Dollar „können wir aufgrund der Umstände aktuell nur noch rund 300 Mrd. Dollar nutzen“, erklärte Russlands Finanzminister Anton Siluanow. Gleiches gilt auch für die Euroreserven des Landes. Ganz gleich, wie man über die Sanktionen denkt – das Infragestellen des Eigentumsrechts an Währungsreserven stellt eine historische Wende dar.

Der Bruch ist vergleichbar mit dem Ende der Umtauschbarkeit zwischen dem US-Dollar und Gold, das Richard Nixon am 15. August 1971 bekanntgab. Der Dollar verlor damals seine Verankerung im Edelmetall und wurde fortan frei gehandelt. Ihr besitzt Dollar, sagte die amerikanische Regierung damals, aber deren Wert ist nicht mehr garantiert, damit ist es vorbei. Präsident Nixons Finanzminister John Connally hatte die richtige Formel dafür gefunden: „Der Dollar ist unsere Währung, aber euer Problem.“ Seitdem ist selbst der Besitz von Dollars keine absolut sichere Sache mehr.

Die Vertrauensbeziehungen auf Währungsebene zwischen den Staaten sind zerrüttet. Schießen sich die USA nicht selbst in den Fuß, indem sie den Besitz von Dollars in Frage stellen? Alle Länder, die Dollar halten, wissen nun, dass sich ihre Reserven in Sekundenschnelle in Luft auflösen können, wenn sie Uncle Sam verärgern. Wird China, dessen Reserven 3,4 Billionen Dollar umfassen und das seinen Blick auf Taiwan gerichtet hat, nicht versuchen diesen Betrag zu verringern?

Der Dollar, die bedeutendste Reservewährung weltweit, wird sein Ansehen verlieren. Es wird zu einer währungspolitischen „Deglobalisierung“ kommen. China versucht bereits seit Jahren, seinen Yuan im asiatischen Handel durchzusetzen. Das Wall Street Journal berichtet, dass man bereits mit Saudi-Arabien verhandelt, um den Preis für einen Teil der Rohöllieferungen in Yuan festzulegen. China kauft ein Viertel aller Ölexporte des Landes auf. Sollten die Transaktionen in Yuan abgewickelt werden, würde das die chinesische Währung stärken, zulasten des Dollars. Gleichzeitig diskutieren Russland und Indien über die Etablierung alternativer Zahlungssysteme, um dem Ausschluss der russischen Banken aus dem SWIFT-System zu begegnen. Andere Initiativen dieser Art werden sicherlich folgen. Die Abhängigkeit vom Dollar wird für viele Staaten zum Risiko werden.

Warum sollte man unter diesen Rahmenbedingungen nicht eine Rückkehr zu Gold in Erwägung ziehen, dessen physischer Besitz per Definition nicht in Frage gestellt werden kann und dessen Wert garantiert ist – insbesondere in diesen Zeiten, in denen die Inflation wieder stark zunimmt. Wie wir von AFP erfahren haben, hat die russische Zentralbank ihre Goldkäufe eingestellt, um den Privatanlegern den Vortritt zu lassen. Schau her! Könnten die Russen das Edelmetall neben dem Rubel als Transaktionswährung verwenden? Wir werden sehen. Russland und China haben in den letzten Jahren große Mengen Gold gekauft, sicherlich nicht ohne Plan.

 

 

Auch der Bitcoin könnte seinen Platz finden, doch sein Kurs bleibt sehr volatil und seine Marktkapitalisierung von rund 1 Billion Dollar bleibt im Vergleich zu Gold begrenzt (bei Gold beträgt sie das Zehnfache). China hat ihn praktisch verbannt (und damit die gesamte Mining-Industrie vertrieben, obwohl diese weltweit führend war), während Russland der Kryptowährung freundlicher gestimmt ist. Man sollte in diesem Zusammenhang eher an komplementäre Funktionen denken. Gold ist den Staaten bekannt, es ist Teil ihrer langen Geschichte, während der Bitcoin an seiner Seite als Ventil für die Bevölkerung dienen könnte, wenn die nationale Währung einbricht, wie das aktuell beim Rubel der Fall ist. Doch in vielen Ländern wird der US-Dollar nicht mehr der Rettungsring sein.

Die Beschlagnahmung der auf Dollar lautenden Aktiva der russischen Zentralbank zeigt, dass die Papierwährungen zunehmend politisiert sind, obwohl die Neutralität zu den grundlegenden Charakteristika einer Währung zählen sollte. Heute ist das illusorisch. Krieg ist ein Geschichtsbeschleuniger, und die Währungen werden dem nicht entgehen können.