Gefährliche Zeiten stünden bevor und die Welt könne nicht einfach dort weitermachen, wo sie vor der Pandemie aufgehört hat, so der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán bei einer Pressekonferenz mit dem Vorsitzenden der Zentralbank im Logistikzentrum der Magyar Nemzeti Bank (MNB) am Dienstag. Aus diesem Grund würden Goldreserven und die Sicherheit, die diese mit sich bringen, benötigt.

 

 

Nachdem er die Goldbestände der MNB mit dem Gouverneur der Notenbank besichtigt hatte, betonte Orbán, dass Geld einen Wert haben muss, um Wohlstand für die Menschen zu erzeugen. Garantiert wird der Wert des Geldes ihm zufolge durch drei Dinge: Gold, die Zentralbanken und die Regierungen.

Der Ministerpräsident dankte dem Zentralbankvorsitzenden György Matolcsy für die Beschaffung zusätzlicher, Sicherheit versprechender Goldreserven für die MNB. Er erinnerte daran, dass man vor einigen Jahren auf eine Trendwende am Goldmarkt aufmerksam geworden war, als sich die Strategie der Zentralbanken in Bezug auf Goldkäufe und ihre Devisenreserven änderte. Obwohl reichlich Liquidität an den Märkten vorhanden war und das Kreditvolumen hoch war, sei man damals der Überlegung gefolgt, dass es auch Zeiten gäbe, in denen man sich nicht allein auf Kredite verlassen sollte, erklärte Orbán weiter.

Aus diesem Grund habe die Regierung – unter Respektierung der Unabhängigkeit der ungarischen Zentralbank – angeregt, die Goldreserven zu erhöhen und im eigenen Land zu lagern. Es lag jedoch nicht in der Macht der Regierung, über den Umfang der Zukäufe und den Zeitpunkt der Rückholung von Goldbeständen aus dem Ausland zu entscheiden.

Orbán erklärte zudem, dass es Jahre gedauert hatte, die Goldreserven von traditionellen Lagerorten zurück ins Inland zu transportieren, und dass in Ungarn nicht nur Bargeld, sondern auch Gold nach modernsten internationalen Sicherheitsmaßstäben gelagert wird.

Zentralbankgouverneur György Matolcsy bezeichnete die Rückholung des Staatsgoldes als besonderen und freudigen Moment und wies darauf hin, dass sich die Goldbestände des Landes erhöht haben. Er dankte allen, die am Transport der 63 Tonnen Gold beteiligt waren, die im vergangenen Jahr wieder nach Ungarn verlagert wurden. Matolcsy betonte, dass es sich in der Wirtschaftsgeschichte des Landes um einen ganz besonderen Moment handele, da die ungarischen Goldreserven nun höher seien als je zuvor.

Orbán erinnerte daran, dass die Zentralbank 2018 auf seinen strategischen Rat hin entschied, die Goldbestände zu verzehnfachen. Im letzten Jahr wurde eine weitere Aufstockung beschlossen, sodass der aktuelle Stand von 94,5 Tonnen erreicht wurde.

Er hob hervor, dass sich das Land so „selbst stützen“ könne. Im Ranking der weltweiten Goldreserven ist Ungarn durch die Zukäufe von Platz 56 auf Platz 36 geklettert, während es in der Region von Platz 6 auf Platz 3 vorrückte. Nur Polen und Rumänien verfügen hier noch über größere Bestände des gelben Metalls. Zugleich nahm Ungarn jedoch die führende Position bei den Goldreserven pro Kopf in der Region ein. Auf jeden ungarischen Bürger kommen dem Ministerpräsidenten zufolge nun 0,31 Unzen Gold – ein respektabler Betrag, doch nur ein Drittel der österreichischen Bestände pro Kopf. Es gibt also noch Luft nach oben.

Orbán ist überzeugt, dass Gold nach wie vor eine wichtige Rolle zukommt, und dass seine Bedeutung in diesem Jahrzehnt sogar weiter zunehmen könnte. Gold sei eine Angelegenheit der nationalen Wirtschaftsstrategie – und eine Verteidigungslinie. Wer Gold besitzt, ist von niemandem abhängig, da Gold mit keinem Schuldverhältnis verbunden ist, betonte der Ministerpräsident. Die Goldbestände sind ihm zufolge wichtiger Bestandteil der gesamten ungarischen Devisenreserven und dienen zugleich als Absicherung und strategisches Verteidigungsmittel.