An der Börse wird die Zukunft gehandelt. Welche Erwartungen sind an Gold und einen steigenden Goldpreis geknüpft? Und vor allem, von wem?

Wer nun Gold und Silber kauft, auf stetig steigende Kurse setzt und ungeduldig auf den Untergang wartet, übertreibt es ganz sicher mit dem Pessimismus.

Subjektive Wahrnehmung

Für viele eingefleischte Edelmetall-Freunde sind Silber- und Goldpreis permanent unterbewertet. Das Argument: Die Kurse müssten viel höher stehen, angesichts der enormen Mengen an in Umlauf befindlichem Finanzkapital und dem scheinbaren Dauerfeuer gegen Silber und Gold.

 

Einen Finanzwert systematisch niedrig zu halten ist aber nur dann besonders einfach, wenn er gerade nicht im Trend liegt. Dann lässt sich mit relativ wenig Kapital, umso stärker mit sehr viel Kapital, ein (enger) Markt nach unten geleiten. Auf der anderen Seite kann eine stark steigende Nachfrage in einem Segment mit begrenztem Angebot auch schnell zu hören Preisen führen. Wer versucht, gegen eine Hausse zu wetten, hat aufgrund des Kapitalzuflusses in diesen Markt kaum eine Chance auf Erfolg.

Gold versus Aktien

Das sollten Anleger wissen, die vielleicht etwas enttäuscht auf die Entwicklung von Silber- und Goldpreis in den vergangenen Monaten blicken und womöglich sogar etwas neidisch die Aktienkurse verfolgt haben. Aber der Großteil des Finanzkapitals fließt nun einmal in diesen Markt.

Man darf nicht vergessen, auch Aktien von Unternehmen sind (zumindest kurzfristig) nicht beliebig vermehrbar. Genau wie Gold und Silber. Eine hohe Nachfrage nach diesen begehrten Vermögenswerten beflügelt den Preis. Das kann man auch bei Wertpapieren nicht ignorieren, selbst wenn die fundamentalen Daten dem zehnmal widersprechen.

Gold und Silber nicht gesucht

Wie ist es bei Gold und Silber? Das üppig vorhandene, spekulative Finanzkapital sucht sich meist den mit Renditeversprechungen am stärksten gepflasterten Weg. Hoffnungen und Erwartungen geben den Ausschlag. Edelmetalle liegen derzeit nicht im Trend. Spekulatives Kapital spielt aber auch auf dem Silber- und Goldmarkt eine große Rolle. Wenn also vergleichsweise wenig Geld in Gold und Silber fließt, dann ist das Bullenlager zu schwach, um den Markt gegen Short-Seller zu verteidigen.

Angst versus Hoffnung?

Aber eines darf man auch nicht vergessen: Bei Gold handelt es sich aus der Perspektive von Kapitalanlegern nun mal um einen „Angst-Trade“. So gesehen ist das Edelmetall tatsächlich vor allem etwas für Pessimisten. Und eine besondere Vorsicht in Sachen Geldanlage ist angesichts des angespannten finanz- und geldpolitischen Umfelds durchaus berechtigt. So erreichte auch der Goldpreis in den vergangenen Jahren neue Höchststände. Allerdings notierte der Kurs mit 1.725 US-Dollar pro Unze zuletzt wieder rund 16 Prozent unter seinem Rekordstand von August 2020.

Auf der anderen Seite haben wir an den Aktienmärkten, insbesondere nach den letzten US-Wahlen, über Monate hinweg immer wieder neue Höchstkurse bei den Indizes erlebt. Grundlage war steigender Optimismus unter Anlegern hinsichtlich einer raschen Überwindung der jüngsten Coronakrise, aber auch in der Erwartung von noch mehr billigem Geld. Auch die Hoffnung, dass trotz der weiter enorm steigenden Verschuldung und der immer wieder fragil erscheinenden Weltwirtschaft am Ende doch alles gut geht.

Die letzte Goldpreis-Rally

Was erwarten Goldanleger? Ein steigender Goldpreis bedeutet immer auch, dass die Referenzwährung an Kaufkraft verliert und man sich makroökonomisch ein Stückchen der finanziellen Katastrophe nähert.

Wenn wir den Zeitraum bis August 2020 betrachten, dann war die Goldpreis-Rally natürlich von pessimistischen Erwartungen geprägt – an die Angst vor dem Corona-Crash, an noch größere Staatsschulden, an längere Zentralbank-Bilanzen, an höhere Inflationsraten und generell eine höhere Nachfrage nach Krisenabsicherung. Schließlich war diese Kursfantasie zunächst einmal ausgereizt, der „große Crash“ an den Finanzmärkten blieb vorläufig aus. Die Edelmetalle schwenkten in die Korrekturphase ein.

Ist Gold nur was für Pessimisten?

Und an diesem Punkt komme ich erneut zu der Erkenntnis: Gold ist immer eine gute Versicherung, aber nicht immer ein gutes Investitionsobjekt. Der Schadensfall eines kollabierenden Geld- und Finanzsystems wird früher oder später eintreffen. Das mag wie Pessimismus klingen, hat aber vor allem etwas mit Realismus zu tun. Insbesondere dann, wenn man die Entwicklung früherer, völlig überschuldeter Finanz- und Wirtschaftssysteme betrachtet. Weit zurück in die Vergangenheit muss man nicht gehen.

Eingefleischte Goldanleger hoffen das Beste, rechnen aber mit dem Schlimmsten. Wer allerdings nur auf steigende Edelmetall-Kurse wettet und dabei auch noch alles auf eine Karte setzt, dem kann der Dauerpessimismus eine lange Durststrecke bereiten. Das ist auch eine Erkenntnis der vergangenen Krisen und Jahre.